Ärzte Zeitung, 08.01.2004

Honigbienen im Einsatz gegen Landminen

US-Verteidigungsministerium erforscht Einsatzmöglichkeiten / Konzept basiert auf der Konditionierungs-Theorie

WASHINGTON (dpa). Honigbienen sollen Menschen in aller Welt von Landminen befreien. Die Insekten sind nach Ansicht von Wissenschaftlern beim Aufspüren der todbringenden Minen effektiver als teure Suchgeräte und sensible Schnüffelhunde.

Im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums in Washington haben die Biologen Jerry Bromenshenk und Colin Henderson von der Universität Montana die Einsatzmöglichkeiten der Insekten erforscht.

Zu den Vorteilen der Biene gehört, daß sie großflächig Gebiete durchkämmen kann und das Aufspüren von Minen in gerade mal zwei Tagen erlernt. Hunde brauchen mindestens ein halbes Jahr, um für die Spürkommandos einsatzfähig zu sein.

Die Forscher in Montana müssen allerdings zugeben, daß ihr Bienen-Spezialisierungs-Programm noch nicht ganz ausgereift ist. Dabei wäre weltweit ein kostengünstiges Konzept zur Beseitigung der Landminen hochwillkommen. "Wir haben es eilig", betont Bromenshenk. "Jeden Tag, an dem sich dieses Projekt verzögert, werden Menschen durch Landminen umkommen".

Vertreter der Vereinten Nationen (UN) schätzen, daß in 70 Ländern insgesamt 110 Millionen Landminen vergraben sind. Etwa 20 000 Menschen werden UN-Angaben zufolge jährlich von Landminen getötet oder verletzt. Laut einer Hochrechnung des angesehenen Forschungsinstitut RAND in Santa Monica (US-Bundesstaat Kalifornien) könnte es bis zu 450 Jahren dauern, bis alle Landminen gefunden und entschärft werden, optimistisch vorausgesetzt, es würden keine neuen Minen gelegt werden.

Erstmals wurden die Fähigkeiten der Bienen im August 2003 auf einem Minen-Testfeld des US-Militärs im Bundesstaat Missouri erprobt. Über 90 Prozent aller Minen seien von den Insekten gefunden worden, hieß es. Das Konzept basiert auf der 80 Jahre alten Konditionierungs-Theorie Ivan Pawlows. Den Bienen bringt man bei, gewisse Gerüche - wie zum Beispiel Sprengstoff - mit Nahrungsquellen zu assoziieren.

Wenn sie sich dann auf einen ihrer zahlreichen Nahrungsflüge machen, versammeln sie sich am geruchsintensivsten Ort. Ein Lasersystem erfaßt ihre Bewegungen und Reaktionen und erstellt eine entsprechende Karte mit den mutmaßlichen Standorten der Landminen.

Weitere Tests sind nötig. Henderson schätzt, daß es noch zwei Jahre dauern werde, bis Bienen an einem realen Entminungs-Projekt mitwirken können.

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