Ärzte Zeitung, 03.02.2004

Vom medizinischen Lehrinstitut zum modernen Anatomiemuseum

Das Anatomische Museum Basel setzt auf Aufklärung / Über 20 000 Besucher pro Jahr

Von Sabine Schiner

Das älteste Skelettpräparat der Welt aus dem Jahr 1543 steht im Baseler Anatomie-Museum. Foto: Anatomisches Museum

Ganz unspektakulär, hinter Glasscheiben, steht im Anatomischen Museum der Universität Basel das älteste menschliche Skelettpräparat der Welt. Andreas Vesal (1514 bis 1564) hat es 1543 präpariert. In den Vitrinen daneben können Besucher eine Raucherlunge mit Teerablagerungen aus dem Jahr 1923 studieren oder sich über die Entwicklung der Harnorgane informieren.

Die Präsentation beschränkt sich auf medizinische Fakten. "Während medizinische Dokumentationen im Fernsehen oft über Ereignisse berichten, die noch eine Utopie sind, sehen die Menschen bei uns den Stand der Dinge, was ihren Körper angeht", sagt Museumskonservator Dr. Hugo Kurz im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Die etwa 1500 Exponate sind in Vitrinen ausgestellt, dazu gibt es Informationen zu Entstehungsjahr und Art der Präparation. Wer will, kann sich anhand von Broschüren über die Geschichte der Anatomie in Basel informieren.

Das mag auf den ersten Blick sehr nüchtern wirken, doch Kurz hält nichts von der dekorativen Zurschaustellung von Exponaten wie in den Körperwelten von Gunther von Hagens. "Das liegt mir nicht", sagt er. Die Erhaltung von historisch und anatomisch wertvollen Präparaten hat für ihn Priorität.

Auch aus der Gründerzeit sind noch viele Exponate vorhanden

Das Museum wurde 1824 von Professor Carl Gustav Jung (1794 bis 1864) gegründet, es ist eines der ältesten Fachmuseen der Welt. Für historisch interessierte Mediziner ist es eine Fundgrube. Aus den Anfangstagen sind noch viele Modelle erhalten. Nur noch in wenigen Fällen werden Exponate ausgeliehen.

"Wir haben sehr alte Präparate, die man eigentlich gar nicht mehr in die Hand nehmen sollte - und wenn, dann nur durch speziell ausgebildetes Personal", sagt Kurz. Neue Exponate kommen jedoch nur selten dazu. Die Mittel sind beschränkt. "Wenn Präparate dazukommen, dann sollen sie in erster Linie die Sammlung ergänzen."

Im Lauf der Zeit hat sich auch die Präsentation geändert. Vor 20 Jahren wirkte das Anatomische Museum noch wie eine Art Gruselkabinett. Der Geruch phenolhaltiger Desinfektionsmittel erfüllte die Räume mit den langen Regalreihen. Damals nutzten vor allem Medizinstudenten die Lehrsammlung. "In diesen Tagen lassen die Studienreformen den Studenten dazu fast keine Zeit mehr", sagt Kurz. Das Museum hat sich dem Wandel angepaßt. 1995 wurde umgebaut.

Heute erklärt das Museum vor allem der interessierten Bevölkerung den Bau des menschlichen Körpers. 20 000 Besucher schauen sich im Durchschnitt die Präparate jedes Jahr an. "Das ist für ein so kleines Museum mit dieser Infrastruktur sehr gut", sagt Kurz.

Die Faszination des eigenen Körpers

Die Didaktik wird immer wichtiger. "Man versucht, die Beschriftungen verständlicher zu machen, wir arbeiten mit Bildmaterial und Schematas, versuchen alles, was dem dreidimensionalen Denken förderlich ist", sagt Kurz. Das Ziel: "Der Besucher sollte so fasziniert von dem Wissen über seinen Körper sein, daß er immer wieder kommen will."

Jedes Jahr werden zudem Sonderausstellungen organisiert, die immer wieder neue Besucher anziehen. Auf Plakaten und Schautafeln werden dann besondere Gebiete der Anatomie erklärt. Derzeit ist beispielsweise eine Schau zum Thema "Haut und Haare" zu sehen.

Anatomisches Museum, Pestalozzistraße 20, CH - 4056 Basel, Museum-Anatomie@unibas.ch, geöffnet ist sonntags von 10 bis 15 Uhr, montags bis freitags von 14 bis 17 Uhr, donnerstags von 14 bis 19 Uhr, an Samstagen und Feiertagen ist geschlossen.

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