Ärzte Zeitung, 20.04.2004

BUCHTIP

Wie funktioniert eigentlich Gesundheitsförderung?

Ein Hausarzt stellt fest, daß viele seiner Patientinnen Beratung zur Schwangerschaftsverhütung suchen. Er kündigt daraufhin in seiner Praxis einen Vortrag über Verhütungsmethoden an. Aber niemand kommt. Warum? Das sollen Ärzte, Medizinstudenten und andere Akteure des Gesundheitssektors herausfinden.

Die Aufgabe stammt aus dem "Lehrbuch der Gesundheitsförderung", das die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erstmals in einer deutschen Fassung herausgegeben hat. Anhand praxisnaher Fallbeispiele lernen die Leser, sich auf dem Gebiet der Gesundheitsförderung zurechtzufinden.

Die Autorinnen Jennie Naidoo und Jane Wills schildern detailliert die verschiedenen Bedürfnisse von Einzelpatienten, Gruppen und auch Ärzten. Am Beispiel des erwähnten Hausarztes wird klar, daß er die Bedürfnisse seiner Patientinnen nicht ausreichend abgefragt und seine Maßnahme praktisch ohne Werbung angeboten hat.

Übersichtlich aufgebaut und verständlich geschrieben, wird das Lehrbuch dem erklärten Ziel, einen konzeptionellen Rahmen der Gesundheitsförderung in Deutschland zu spannen, dennoch nicht ganz gerecht. Denn das Hauptproblem der deutschen Fassung ist, daß die Übersetzung auf deutsche Verhältnisse im Gesundheitswesen teilweise unterbleibt. So sieht sich der Leser mit dem "Nationalen Gesundheitsdienst (NHS)" konfrontiert, den es zwar in Großbritannien gibt, den man als Akteur im deutschen Gesundheitswesen vergeblich sucht.

Abgesehen von diesem Schönheitsfehler bietet das Lehrbuch vor allem einen breiten Überblick über Theorien der Gesundheitsförderung sowie Strategien und Methoden.

Auch für die Organisation von gesundheitsfördernden Maßnahmen finden Ärzte und andere Akteure des Gesundheitswesens eine Palette von Modellen und praktischen Anregungen. Sebastian Sedlmayr

Jennie Naidoo/Jane Wills, Lehrbuch der Gesundheitsförderung. Köln 2003. Verlag für Gesundheitsförderung, Werbach-Gamburg. ISBN 3-929798-33-6, 13,50 Euro.

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