Ärzte Zeitung, 05.05.2004

Mit 18 auf dem Treppchen und seitdem infiziert mit dem Olympia-Virus

Herr der fünf Ringe: Der Orthopäde Klaus Steinbach hat als NOK-Chef Olympia fest im Blick / "Wer sich qualifiziert, der will sein Bestes geben"

Von Sabine Schiner

"Die Leidenschaft für den Sport, die habe ich in mir", sagt der Mediziner und Funktionär Dr. Klaus Steinbach. Fotos (3): dpa

Die beiden griechischen Götterboten Phèvos und Athenà sind die Maskottchen der Sommerspiele 2004.

Kunst am Bau: Arbeiter setzen die Olympischen Ringe im Pana-thinaikon Stadion in Athen zusammen. 100 Tage bleiben noch, dann beginnen die Wettkämpfe.

"Der Funktionär definiert sich dadurch, daß er dafür zu sorgen hat, daß alles funktioniert." Dr. Klaus Steinbach sieht seine Aufgaben als Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) für Deutschland ganz nüchtern.

Mit 18 Jahren stand der Orthopäde als erfolgreicher Schwimmer erstmals bei olympischen Spielen auf dem Treppchen. Rücken- und Freistilstrecken waren seine Spezialität. Heute sorgt er dafür, daß das Drumherum für die deutschen Sportler bei den Olympischen Spielen in Athen stimmt.

Steinbach weiß, was Sportler brauchen. Zum einen war er selbst Athlet (1972 gewann er Olympia-Silber, 1976 Bronze), zum andern war er 1996 als Mannschaftsarzt und bei Olympia 2000 in Sydney als Chef de Mission mit dabei.

"Es ist mein Job, daß die Athleten unbelastet von äußeren Störungen ihre Wettkämpfe so optimal wie möglich durchführen", sagt er im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Auch in diesem Jahr ist er wieder Chef de Mission. Den Job macht er gerne: "Ich bin mit 15 mit dem Olympia-Virus infiziert worden, mit 18 war ich selbst dabei. Seitdem trage ich das Virus in mir."

Beruflich ist der NOK-Präsident seit 1992 Chefarzt für Orthopädie und Sportmedizin sowie Ärztlicher Direktor der Hochwald-Kliniken in Weiskirchen an der Saar. "Ich muß sicherstellen, daß der Klinikbetrieb reibungslos funktioniert." Um seine Ehrenämter - er ist auch noch Mitglied der Medizinischen Kommission des IOC - mit der Arbeit in der Klinik vereinbaren zu können, ist er auf die Hilfe seiner Mitarbeiter angewiesen. "Die Klinik muß laufen, auch wenn der Chef tageweise mal nicht da ist."

Managerqualitäten verlangt auch sein Job beim NOK. Das Komitee ist unter anderem zuständig für Haushalts- und Sicherheitsfragen, für die medizinische Betreuung, für Transport und Unterbringung der etwa 440 deutschen Sportler. Dazu kommen noch über 200 Betreuer, die sich um das Training und um die medizinische und physiotherapeutische Versorgung kümmern.

Die Vorbereitungen für Athen laufen in der Frankfurter NOK-Zentrale derzeit auf Hochtouren, der logistische Aufwand ist enorm: Über 30 Tonnen Gepäck und Ausrüstung müssen nach Griechenland transportiert werden. Die Turnierpferde werden extra eingeflogen, Segler, Ruderer und Kanuten bringen ihre Boote über die Fährverbindung von Ancona nach Patras.

Die Schützen haben ihre Waffen als Spezialgepäck im Flieger mit dabei. Die medizinische Ausrüstung muß für den Transport zusammengestellt werden, die Büroausstattung für das NOK-Mannschaftsbüro im Olympischen Dorf muß Ende Juli in Athen sein.

Es gibt viel zu tun für den Sportfunktionär - an Engagement und Motivation fehlt es ihm nicht. "Die Leidenschaft für den Sport, die habe ich in mir." Rückhalt findet er auch in der Familie. "Meine Frau hat glücklicherweise viel Verständnis für meine Arbeit." Und auch die Kinder spielen mit. "Meine Tochter ist Jugendnationalspielerin im Handball - ihre Terminpläne sind nicht weniger gefüllt als meine." Der Sohn ist in der Ausbildung zum Physiotherapeuten.

Die Chancen der deutschen Mannschaft bei Olympia sieht der Mediziner realistisch. "Ziel für unsere Athleten ist, ein Ergebnis wie in Sydney zu erreichen", so Steinbach. Damals hatten die Deutschen 55 Medaillen geholt und landeten damit auf Platz fünf. Eine Prognose zur Leistungsstärke will Steinbach nicht abgeben. "Die Athleten brauchen von mir keinen zusätzlichen Druck. Wer sich für Olympia qualifiziert hat, der will sein Bestes geben, der macht sich dort keinen schönen Lenz."

Sehr am Herzen liegt Steinbach auch die Bewerbung von Rostock und Leipzig als Austragungsorte für die Spiele 2012. Er sieht dies als nationale Aufgabe. "Das Wir-Gefühl muß sich da wie ein Virus durchsetzen." Ob Leipzig in die Endrunde kommt, entscheidet sich am 18. Mai, die endgültige Entscheidung folgt im Juli 2005.

Bis es soweit ist, rührt Steinbach noch kräftig die Werbetrommel. "Wir haben ein kompaktes Sportstättenkonzept, wir sind hervorragende Gastgeber." Er sieht gute Chancen, die Spiele nach Deutschland zu holen: "Als Schwimmer sage ich immer, man kann auch auf der Außenbahn gewinnen."

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