Ärzte Zeitung, 04.06.2004

Regelmäßiges Lachen macht gelassen und senkt den Blutdruck

Forscher aus Graz haben erste Studie zu langfristigen Wirkungen von Lach-Training abgeschlossen / Testpersonen haben Lach-Yoga gemacht

GRAZ (ug). Lachen ist gesund - das ist bekannt. Aber wissenschaftlich untersucht war das bisher nicht. Jetzt hat eine gerade abgeschlossene Studie von der Universität Graz gezeigt, was regelmäßiges, herzliches Lachen bewirkt: Nicht nur wird die Grundstimmung gehoben, was sich in Veränderungen der Gehirnaktivität spiegelt, auch der Blutdruck sinkt - und beides auf Dauer.

"Ein Meter Lachen" heißt diese Lach-Yoga-Übung. Solche pantomimischen Übungen unterstützen und triggern das Lachen. Foto: Robert W. L. Butt

In der neuen Studie, die noch nicht veröffentlicht ist, haben die österreichischen Forscher unter Leitung von Professor Ilona Papousek untersucht, wie sich Lachen kurzfristig und langfristig auf Gehirn- und Herzaktivität auswirkt. Zunächst wurde 60 Personen ein kurzes Video vorgespielt, von dem man mit Heiterkeit angesteckt wird. Währenddessen wurden EKG und EEG gemessen. Eine Kontrollgruppe sah ein vergleichbares, aber nicht erheiterndes Video.

Doch, so Ilona Papousek in einer Mitteilung zur Studie: "Nur dauerhafte Veränderungen, die auch dann noch da sind, wenn man nicht gerade aktuell über etwas Bestimmtes lacht, können als tatsächliche Gesundheitswirkungen betrachtet werden." Deshalb wurde geprüft, ob durch Lach-Training längerfristige Wirkungen erzielt werden können.

25 Probanden nahmen an einem zweitägigen Lach-Yoga-Seminar teil und hatten danach drei Wochen lang täglich eine halbstündige Lach-Yoga-Session. Lach-Yoga sei eine sehr effektive Methode, Heiterkeit und Lachen herbeizuführen, so die Grazer Forscherin.

Bei Lach-Yoga-Übungen wird zunächst absichtlich, künstlich gelacht, dazu werden einfache pantomimische Gesten und Atemübungen gemacht. Witze sind hier nicht nötig zum Lachen. Vor und nach der Trainingsphase wurden Gehirnaktivität und Blutdruck gemessen, und zwar in Ruhe. Mit Fragebögen wurde die psychische Verfassung erhoben. Die gleichen Messungen wurden bei einer Kontrollgruppe gemacht, die kein Lach-Training erlebt hatte.

Nach dem dreiwöchigen Lach-Training war die Grundstimmung deutlich verbessert. Die Teilnehmer waren entspannter, gelassener, heiterer, sie fühlten sich frischer und weniger ängstlich. Das spiegelte sich in der Gehirnaktivität wider: Kurzfristig wird durch Heiterkeit die Aktivität im frontopolaren Bereich des Gehirns nach rechts verschoben. Bei den Teilnehmern, die mit Freude beim Lach-Yoga mitgemacht und regelmäßig herzlich gelacht hatten, wurde diese Verschiebung nach rechts dauerhaft.

Kurzfristige Erheiterung aktivierte außerdem das Herz, erkennbar an einem Anstieg der sympathischen und einem Abfall der parasympathischen Einflüsse. Auf den Blutdruck hat kurze Erheiterung aber keine Auswirkung. Wohl aber das Lach-Training: Bei denen, die regelmäßig herzlich gelacht hatten, war der Blutdruck nach drei Wochen durchschnittlich um sechs mm/Hg gesunken.

Infos zum Lach-Yoga in Deutschland unter:

Lach-Yoga in Österreich:

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