Ärzte Zeitung, 14.07.2004

KV veröffentlicht Reichsarztregister

Erstmals ist das Register mit 97 000 (teils jüdischen) Ärzten der Forschung zugänglich

BERLIN (ami). Erstmals steht das Reichsarztregister, das mehr als 97 000 Ärzte aus der Zeit des Nationalsozialismus verzeichnet, offen für die Forschung. Die KV Berlin hat das Verzeichnis auf drei DVDs mit Suchfunktion aufbereiten lassen.

Die Daten des Reichsarztregisters gehen über den Umfang des bereits zugänglichen Reichsärzteverzeichnisses hinaus. Das Reichsarztregister enthält auch Namen von jüdischen oder weiteren Ärzten, die in Folge der Rassengesetze durch den Entzug der Kassenzulassung aus dem Beruf gedrängt wurden.

"Wie groß der Umfang der ‚Ausschaltung‘ dieser Ärzte war, wird sich nun erstmals genau feststellen lassen. Darüber hinaus wird es möglich sein, die vielen namenlosen Opfer des NS-Rassenwahns dem Vergessen zu entreißen", sagte Berlins KV-Chef Dr. Manfred Richter-Reichhelm.

Das Reichsarztregister gehörte der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands (KVD), die 1933 gebildet wurde. Nach 1945 ging es an die Vorläuferorganisation der KV Berlin über. Die Aufbereitung des Verzeichnisses ist Teil eines bundesweit einmaligen Projektes der Berliner KV zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit medizinischer Standesorganisationen.

Neben Vorträgen für die Öffentlichkeit initiierte die KV Berlin in Zusammenarbeit mit dem medizinhistorischen Institut der Berliner Universitäten ein Projekt zur Erforschung der Geschichte der KVD von 1933 bis 1945. "Als Berliner Ärzte sehen wir es in besonderem Maße als Verpflichtung an, ein Zeichen gegen das Verdrängen, Verharmlosen und Verschweigen der damaligen Verbrechen von Ärzten an ihren Berufskollegen zu setzen und jenen Stimmen entgegenzuwirken, die die Geschichte ruhen lassen wollen", sagte Richter-Reichhelm.

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