Ärzte Zeitung, 25.11.2004

Handbuch hilft bei der Infusionstherapie im Praxisalltag

Einfache Therapiealgorithmen ermöglichen eine rasche und effiziente Behandlung bei Flüssigkeits- oder Blutverlusten

BERLIN (grue). Ein Flüssigkeits- oder Blutverlust kann fast immer mit definierten Lösungen ausgeglichen werden. Außerdem errechnet sich der Bedarf meist nach bestimmten Faustregeln.

"Die Infusionstherapie muß nicht schwierig sein, wenn sich der Nicht-Spezialist an einfache Therapiealgorithmen hält", meint Privatdozent Dr. Hans-Jürgen Dieterich von der Universitätsklinik Tübingen. Auf Anregung des Unternehmens Baxter hat ein Expertenteam um Dieterichs praxisnahe Anleitungen für die Infusionstherapie ausgearbeitet. "Nach diesem Schema können die Patienten sicher und effizient behandelt werden", sagte der Intensivmediziner auf einer Veranstaltung des Unternehmens in Berlin. "Die Empfehlungen der Fachgesellschaften haben wir in unser Papier eingearbeitet".

Erwachsene brauchen täglich mindestens 30 ml Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht, die bei Dehydratation substituiert werden müssen. Der Therapiealgorithmus erläutert das Vorgehen auf einer Übersichtstafel und liefert getrennt dazu kurze Erläuterungen. Für die Infusion eignen sich Vollelektrolytlösungen (VEL), die über periphervenöse oder zentrale Venenkatheter appliziert werden. Auch für Kinder sollten zur Deckung des Erhaltungsbedarfs standardisierte Lösungen bevorzugt werden, sagte Dieterich. Sie werden als sogenannte Pädiatrie-Lösungen (zum Beispiel Pädiafusin®) mit niedrigerem Elektrolytgehalt angeboten.

Das praktische Handbuch enthält auch ein Kapitel zum Volumenersatz nach Blutverlusten. Dafür werden Salz- und Kolloidlösungen im Verhältnis drei zu eins infundiert, bis ein systolischer Blutdruck von 70 bis 80 mmHg erreicht ist. "Die modernsten Kolloidlösungen basieren auf Maistärke", so Dieterich. Solche HES (Hydroxyethylstärke)-Lösungen sind besser verträglich als ältere Präparate und werden auch bei Kindern anstelle von Albuminlösungen oder Plasmaproteinlösungen mit Pufferzusatz verwendet.

VEL und HES dienen aber nicht dem Sauerstofftransport, erinnerte Dieterich. Bei größeren Blutverlusten und fallendem Hämoglobin-Spiegel muß eine Bluttransfusion vorbereitet werden. Im Allgemeinen sei die Infusionstherapie aber überschaubar und lasse sich im Prinzip mit nur drei Lösungen - VEL mit hohem und niedrigem Elektrolytgehalt sowie Plasmaersatzmittel - günstig und zeitsparend vornehmen.

Derzeit gibt es mehr als 300 Infusions- und Standardinjektionslösungen, die in ihrer Zusammensetzung oft nahezu identisch sind. "Wir wollten in dieses Dickicht etwas Licht bringen", sagte Dieterich.

Der "Algorithmus Infusionstherapie" kann beim Unternehmen Baxter unter der Rufnummer 09131 / 617 93 05 angefordert werden.

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