Ärzte Zeitung, 18.11.2004

Software für eine erleichterte Krebstherapie

Ein neues Computer-Programm simuliert die Verteilung eines Arzneimittels nach der Applikation ins Gehirn

MÜNCHEN (eb). Mit einer neuen Software, die Münchener Wissenschaftler entwickeln, soll es einmal leichter werden, bei Patienten mit Hirntumoren Medikamente gezielter als bisher in den Tumor zu bringen. Das Programm berechnet, wie sich ein Medikament voraussichtlich im Gehirn verteilen wird. In ersten Kliniken wird sie bereits in der Praxis getestet.

Damit die Simulation möglich ist, erstellt das Programm auf der Grundlage von kernspintomographischen Bildern zunächst eine dreidimensionale Karte des Gehirns eines Patienten. Wie das Unternehmen BrainLAB AG aus Heimstetten bei München mitteilt, geht aus dieser Karte die Leitfähigkeit des Gewebes hervor, die bestimmt, wie sich ein Arzneimittel im Gehirn verteilt. Mit Hilfe der Software soll sichergestellt werden, daß ein Arzneimittel, das direkt in das Gehirn verabreicht wird, auch das Tumorgewebe, etwa bei Patienten mit Glioblastom, erreicht, ohne in gesunde Hirnregionen zu gelangen.

Die farbigen Felder der kernspintomographischen Bilder geben die voraussichtliche Verteilung und Konzentration eines Medikamentes wider. Die gelben Linien markieren die Stellen, über die das Mittel injiziert werden soll. Foto: BrainLAB

Nach Angaben der Münchener Wissenschaftler läßt sich die Verteilung eines Medikamentes mit der Software tatsächlich sehr genau vorhersagen. Das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMBF) unterstützt nun die Anwendung der Software in der Praxis. An drei Kliniken in den USA, etwa am Duke Comprehensive Cancer Center in Durham in North Carolina, nutzen Onkologen bereits eine Beta-Version des Programms, also eine spezielle Version für die Testphase. Auch die Nationalen Gesundheitsinstitute NIH in Bethesda im Staat Maryland unterstützen das Projekt.

Das Münchener Unternehmen wurde 1989 gegründet und ist auf die Entwicklung und Vermarktung medizintechnischer Geräte für die Orthopädie, Neuro- und Radiochirurgie/-therapie sowie für die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde spezialisiert. Zu den von den Wissenschaftlern entwickelten Produkten gehören Software- sowie Hardware-Komponenten für die chirurgische 3D-Navigation, Komponenten für Linearbeschleuniger in der Radiotherapie sowie Komplettsysteme für stereotaktische Radiochirurgie.

Weitere Infos zu dem Unternehmen finden Sie im Internet unter http://www.brainlab.com

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