Ärzte Zeitung, 29.11.2004

Der Weg zu einer minenfreien Welt ist noch lang

Internationale Kampagne zum Verbot von Landminen / Heute beginnt eine internationale Konferenz in Nairobi

Bei Banja Luka in Bosnien: Ein Mitglied einer zivilen Spezialeinheit entfernt Landminen. Foto: dpa

Sie sind klein, gemein und spottbillig. Sie schlagen oft erst zu, wenn der Konflikt längst vorbei ist. Sie treffen fast immer Zivilisten, etwa ein Viertel der Opfer sind Kinder. Im Jahr 2003 wurden mehr als 8000 Menschen durch Minen getötet.

Mehr als 50 Staaten haben die Konvention zum Verbot von Anti-Personen-Minen noch nicht unterzeichnet, unter ihnen die drei ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats USA, China und Russland. Um auf die anhaltende Gefahr aufmerksam zu machen, hat die Internationale Kampagne zum Verbot von Landminen ab heute zu einem fünftägigen Treffen in Nairobi eingeladen.

Vor sieben Jahren wurde die sogenannte Ottawa-Konvention verabschiedet, die das Ziel einer Welt ohne Landminen verfolgt. Die Koordinatorin der Kampagne, Jody Williams, erhielt dafür den Friedensnobelpreis. Seitdem ist eine Menge passiert. Mitgliedsstaaten haben mehr als 37 Millionen Minen aus ihren Beständen zerstört. In Ländern, die ihre Minenfelder markiert und mit der Suche begonnen haben, ist die Zahl der Opfer um zwei Drittel zurückgegangen.

Liegt die Mine erst einmal im Boden, ist es aufwendig, teuer und gefährlich, sie wieder rauszuholen oder unschädlich zu machen. Obwohl kriegführende Parteien verpflichtet sind, Lagepläne für Minen aufzubewahren, gibt es über viele verminte Landstriche keine Informationen. Rebellenmilizen, die die billigen Waffen besonders häufig nutzen, halten sich erst recht nicht an internationale Konventionen. Minen werden außerdem durch Niederschläge und Bodenbewegungen weitertransportiert.

Die meisten Minen werden durch Druck ausgelöst, wenn ein Mensch auf sie tritt. Die einfachen Modelle explodieren sofort und reißen dem Opfer oft ein Bein ab. Raffiniertere Modelle werden erst in die Luft geschleudert und explodieren dort, so daß die Opfer häufig getötet werden.

Im letzten Jahr wurden mehr als 8000 Menschen durch Minen getötet.
     
   

Die bei der Minensuche eingesetzten Metalldetektoren haben einen Nachteil: Sie können Minen nicht von Flaschendeckeln oder Münzen unterscheiden. Und gegen moderne Plastikminen können sie ohnehin nichts ausrichten. Suchhunde hingegen können je nach Gewicht leicht selbst zum Opfer werden.

Besonders erfolgreiche Minensucher sind westafrikanische Riesenratten, die derzeit in Tansania trainiert werden. Für ein Stückchen Banane oder ein paar Erdnüsse zeigen sie zuverlässig an, wo ihre feine Nase einen Hauch von Sprengstoff wittert. Die Ratten sind leichter als Hunde und laufen deswegen weniger Gefahr, selbst die Detonation auszulösen. Außerdem seien sie sehr lernfähig, billig und einfach zu transportieren, sagen ihre belgischen Trainer. In Mosambik wurden die ersten von ihnen schon mit Erfolg eingesetzt.

Der vor wenigen Tagen veröffentlichte Landminen-Bericht macht deutlich, daß der Weg zu einer minenfreien Welt noch lang ist. Noch immer werden Minen in 15 Ländern hergestellt. Noch immer verlegen reguläre Armeen in Rußland und Myanmar Minen. Und in den Staaten, die der Ottawa Konvention nicht beigetreten sind, lagern noch etwa 185 Millionen der unberechenbaren Waffen.

Infos zur Internationalen Kampagne zum Bann der Landminen unter: www.icbl.org

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