Ärzte Zeitung, 10.01.2005

Infektionsquelle sind die Lebenden

Von Leichen geht keine Gefahr für ansteckende Erkrankungen aus

NEU-ISENBURG (ikr/run). Im Zusammenhang mit der Seuchengefahr wird immer wieder auf die vielen Toten als eine mögliche Infektionsquelle hingewiesen. Doch für die Verbreitung ansteckender Krankheiten sind Leichen nicht von Bedeutung.

Das Katastrophengebiet nach der Tsunami-Flut
Millionen Menschen in Südasien brauchen jetzt Hilfe, nachdem die Tsunami-Flut alles zerstört hat. Die Riesenwellen waren Folge eines Seebebens vor Sumatra am 26. Dezember. Fast 160 000 Menschen in Indonesien, Indien, Sri Lanka und Thailand sind gestorben. In den zerstörten Regionen herrscht nun Seuchengefahr. Grafik: ÄRZTE ZEITUNG/mediXtra 2004

Das größte hygienische Risiko und die Ansteckungsgefahr gehen nicht von verwesenden Leichen aus, sondern von den Latrinen, aus denen Exkremente und Bakterien herausgeschwemmt werden. "Zunächst wurde befürchtet, daß sich viele Menschen durch die Fäkalien infizieren könnten, die aus dem Darm der Toten austreten", so PD Dr. Thomas Jelinek aus Berlin. Mittlerweile sei aber klar, daß die Erreger in den Toten absterben und die infizierten lebenden Menschen, die die Erreger ausscheiden, eine größere Gefahr darstellen.

"Die Gerüchte, daß es durch die vielen Leichen zur Seuchenausbreitung kommt, gehört in den Bereich der Märchen", betont auch Professor Emil Reisinger aus Rostock. Selbst wenn Leichen Salmonellen oder Cholerabakterien im Darm hatten, seien das lange nicht so viele, wie ein Lebender ausscheide, der bis zu 20mal am Tag reißwasserartige Durchfälle habe.

Die Übertragung der Erreger erfolge dann fäkal-oral, etwa durch verseuchtes Trinkwasser. "Hände werden vor dem Essen nicht gewaschen, und alle essen aus einem Topf. Und das enge Zusammenleben im Lager erhöht dann noch die Übertragungsgefahr", so Reisinger.

Lesen Sie dazu auch:
Hilfskräfte haben die Versorgung mit sauberem Trinkwasser gut im Griff

Topics
Schlagworte
Panorama (30356)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »