Ärzte Zeitung, 14.01.2005

Urlaub im Katastrophengebiet bleibt tabu

Ausbrüche von Infektionen weiter möglich / Trinkwasserqualität fraglich / Gesundheitsdienste überlastet

DÜSSELDORF (eis). In die Touristenzentren der Länder der Flutkatastrophe soll jetzt so schnell wie möglich Normalität einkehren. Urlaubsreisen in die betroffenen Länder sind möglich. Die unmittelbaren Katastrophengebiete müssen aber noch gemieden werden, sagt Dr. Burkhard Rieke vom Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf. Das sollten Ärzte Reisenden bei der medizinischen Beratung einschärfen.

"Zum Beispiel in Phuket hat im Moment kein Tourist etwas zu suchen", sagt der Reisemediziner: "Da kommen einem die Verletzten noch entgegen, da sind die Krankenhäuser überfüllt, und auf dem Flughafen stapeln sich die Hilfsgüter." Zu Reisen in solche direkt betroffenen Gebiete sollte man erst raten, wenn die Toten beerdigt, die Wasserleitungen repariert und die Verletzten aus den Kliniken entlassen sind.

Zur Zeit plädiert der Deutsche Fachverband Reisemedizin dafür, bei der Wahl des Urlaubsziels zum Schutz der eigenen Gesundheit zu den Katastrophengebieten mindestens 50 Kilometer Abstand zu halten, vor allem weil dort Ausbrüche von Infektionskrankheiten wie Cholera, Typhus oder anderen schweren Durchfällen immer noch zu erwarten sind. So ist in den betroffenen Gebieten weiter nicht auszuschließen, daß durch Fäkalien, Salzwasser oder auch durch Leichen verunreinigtes Wasser in die Netze eingespeist wird. "Natürlich sollte man in diesen Ländern auch normalerweise kein Wasser aus dem Hahn trinken", sagte Rieke. Aber es komme eben trotzdem vor, und zur Zeit sei das Risiko hierdurch überhaupt nicht abzuschätzen. Eine weitere Infektionsquelle sind Mücken. Aus Erfahrung weiß man, daß es in den Tropen und Subtropen einige Wochen nach einer Naturkatastrophe zu einer sogenannten Mückenblüte kommt. Die stark vermehrten Insekten können dabei die Erreger von Dengue-Fieber, Malaria oder möglicherweise vereinzelt auch von Japanischer Encephalitis übertragen (wir berichteten).

Rieke weist zudem darauf hin, daß die Gesundheitsdienste in den Katastrophenregionen und ihrer Peripherie durch die Versorgung der Opfer überlastet sind. Aus den Randgebieten sind Personal, Geräte und Medikamente abgezogen worden. Vor allem chronisch kranke Reisende könnten daher bei gesundheitlichen Problemen nicht von einer Versorgung ausgehen, wie sie es vielleicht von früheren Aufenthalten gewöhnt sind. Der Reisemediziner empfiehlt, Touristen in die Region generell zu einer guten Reiseapotheke zu raten. Damit sollte eine Ersthilfe bei Unfall, Durchfall (Elektrolyte!), Anfall (Verschlechterung einer chronischen Erkrankung) möglich sein.

Bei einer Asienreise ist natürlich auch der Impfschutz besonders wichtig. Bei einem normalen zwei bis dreiwöchigen Aufenthalt in Thailand, Sri Lanka, Südindien oder Indonesien rät Rieke zu Impfungen gegen Hepatitis A und eventuell Typhus, wenn Reisende die lokale Küche ausprobieren möchten. Jeder Reisende sollte zudem einen altersgerechten Impfschutz haben, das heißt als Erwachsener gegen Tetanus, Diphtherie und Polio geschützt sein.

Wichtig sei jetzt, vor allem auch bei jungen Erwachsenen auf den Masernschutz zu achten. Jeder ab Jahrgang 1970 sollte geimpft sein, betont Rieke. Die Infektionsgefahr ist durch Ausbrüche in Flüchtlingslagern besonders hoch, und bei Erwachsenen verlaufen Masern besonders schwer.

Weitere Infos und eine Liste reisemedizinisch geschulter Ärzte für jede Region Deutschlands unter www.crm.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »