Ärzte Zeitung, 19.01.2005

Hausärzte können traumatisierten Flut-Opfern oft gut helfen

Posttraumatische Belastungsstörung hat eine Latenzzeit von vier Wochen

NEU-ISENBURG (ug). 30 bis 50 Prozent der deutschen Urlauber, die in Südasien die Flut-Katastrophe direkt erlebt und erlitten haben, entwickeln wohl eine posttraumatische Belastungsstörung. Die Symptome treten vier Wochen bis sechs Monate nach dem Erlebnis auf. Jetzt können also die ersten Patienten in die Praxen kommen.

Hausärzte können vielen gut helfen. Die psychotherapeutisch tätige Kassenärztin Dr. Astrid Bühren aus Murnau, die selbst vier traumatisierte Flut-Opfer behandelt, rät, zunächst keine bohrenden Fragen zu stellen.

Denn viele Patienten kommen erstmal nur, damit ihnen jemand zuhört. Oft erzählen sie ganz nüchtern und fast unbeteiligt von ihren schrecklichen Erlebnissen und davon, wie sie Angehörige verloren haben. Dann gilt es, diese emotionale Distanz zu akzeptieren und zuzuhören. Wichtig ist aber, die Patienten auf eine mögliche posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) vorzubereiten.

Während der nächsten Wochen sollte man auf mögliche Symptome achten. Charakteristische Symptome für eine PSTD können psychischer oder somatischer Natur sein. Häufig sind Alpträume und Flash-backs, also blitzartige Erinnerungen an das traumatisierende Ereignis. Bilder, Gerüche, Wortfetzen - alles kann Erinnerungen wachrufen.

Auch sozialer Rückzug, Vermeidungsverhalten - es werden etwa keine Fernseh-Nachrichten mehr gesehen -, Reizbarkeit, Depression, Schlafstörungen, Muskelverspannungen, Magen-Darm-Störungen, Herzrasen und Hochdruck können Symptome einer PTSD sein.

Dann müssen Patienten auf ihre Erlebnisse angesprochen werden. Oft genügt es, wenn Ärzte oder Familienmitglieder einfach Sicherheit vermitteln. Man müsse den Patienten klar machen, daß das ganz normale Reaktionen auf solche Erlebnisse seien, sagt Astrid Bühren. Bei ausgeprägter PTSD ist aber eine Psychotherapie nötig. Helfen können dann auch Antidepressiva.

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