Ärzte Zeitung, 03.02.2005

Alle Schriften basieren auf nur drei Strichen

Mathematiker und Psychologe entdecken Gemeinsamkeiten über die Kulturen hinaus

In fast allen Schriftsystemen bestehen die Schriftzeichen durchschnittlich aus drei Strichen - unabhängig davon, wie viele Buchstaben die Schrift enthält. Diesen Zusammenhang haben der Mathematiker Mark Changizi und der Psychologe Shinsuke Shimojo entdeckt, als sie über 100 Schriftsysteme aus dem Nahen und Mittleren Osten, Europa und Südostasien analysierten.

Dabei stießen sie auf eine weitere Gemeinsamkeit: Alle Schriftzeichen sind so aufgebaut, daß sie auch dann noch eindeutig lesbar sind, wenn die Hälfte der Striche fehlt.

Die beiden Wissenschaftler vom California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena beschreiben ihre Analyse in "Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences" (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2004.2942).

Changizi und Shimojo ermittelten bei mehr als 100 verschiedenen Schriftsystemen, aus wie vielen und welchen Arten von Strichen - gerade, u-förmig oder gebogen - die einzelnen Zeichen zusammengesetzt waren. Dabei schlossen die Forscher auch Darstellungen von Zahlensystemen mit ein.

Die Komplexität der Schriften variierte sehr stark: Einige bestanden lediglich aus 20 unterschiedlichen Zeichen, während es bei anderen mehr als 100 verschiedene gab. Trotzdem waren alle Zeichen durchschnittlich aus drei unterscheidbaren Elementen aufgebaut.

Die Gemeinsamkeiten haben sich nach Ansicht der Forscher aus dem Bestreben heraus entwickelt, Schriften möglichst gut lesbar zu gestalten. Die Dreierkombinationen sind dabei wahrscheinlich für das Auge am besten wahrnehmbar. (ddp)

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