Ärzte Zeitung, 10.03.2005

Mathematik-Rekord nebenbei - Augenarzt findet größte Primzahl

Dr. Martin Nowak gehört weltweitem Netzwerk an

MICHELFELD (dpa). Ganz nebenbei hat der Augenarzt Dr. Martin Nowak aus Michelfeld bei Schwäbisch Hall einen mathematischen Rekord aufgestellt: Der 47jährige Arzt hat die bislang größte bekannte Primzahl mit genau 7 816 230 Stellen entdeckt (wir berichteten kurz).

Martin Nowak vor einem seiner 24 Computer. Der Augenarzt ist Hobby-Mathematiker. Foto: dpa

Ein handelsüblicher Computer hatte die Aufgabe erledigt. Dieser ist Teil des weltweiten Netzwerkes Great Internet Mersenne Prime Search (GIMPS) mit Sitz in Orlando (US-Staat Florida), in dem zehntausende Computer nach Primzahlen suchen.

Der Rechner im Keller von Nowaks Augenzentrum hat die 42. Mersenne-Primzahl am 18. Februar nach einer Rechenzeit von 50 Tagen entdeckt - während Nowak schlief, Patienten behandelte oder Rad fuhr. Der Computer steuert sonst lediglich eine Informationsanzeige für die Patienten, im Hintergrund rechnete er an den Primzahlen. Die Überlegung des GIMPS-Projekts ist, freie Rechenkapazität für die Lösung komplizierter Probleme zu nutzen.

Nowak begeisterte die Idee, von der er 1999 erfuhr. Er begann zunächst mit einem Computer an den Primzahlen zu rechnen, heute sind es 24. Von seiner geschichtsträchtigen Entdeckung merkte er zunächst gar nichts. Erst eine E-Mail aus Orlando machte ihn auf seinen Erfolg aufmerksam. "Zuerst wußte ich gar nicht, auf welchem Bildschirm ich nachsehen sollte", erzählt Nowak. Nach der Installation des kleinen kostenlosen Programms hatte er sich kaum noch darum gekümmert: "Ich habe das nicht groß verfolgt."

Nowak selbst bezeichnet sich als Hobbymathematiker. "Ich habe ein Grundverständnis für Zahlen, und mich interessiert die Anwendung beim technischen Zeichnen." Höhere Mathematik mit Integralrechnung und mathematischen Beweisen hingegen sind nicht sein Ding. Viel lieber macht er Radtouren quer durch Europa oder spielt Klavier.

Niemand weiß, ob es tatsächlich weitere Mersenne-Zahlen gibt. Die Primzahlen gehen auf den französischen Mönch Marin Mersenne (1588-1648) zurück. Sie haben die Formel (2 hoch n) - 1.

Nowaks neu entdeckte Mersenne-Zahl besitzt über eine halbe Million Stellen mehr als der bisherige Primzahlenrekord. In Karopapier geschrieben ergibt sie einen Streifen von 39 Kilometern Länge.

Weitere Informationen über The Great Internet Mersenne Prime Search im Internet unter: www.mersenne.org

Topics
Schlagworte
Panorama (30661)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »