Ärzte Zeitung, 25.04.2005

IM GESPRÄCH

"Wir sind nicht defizitär, nur weil wir keine Idealmaße haben"

Von Angela Mißlbeck

Die von der Bundesärztekammer gestartete "Koalition gegen den Schönheitswahn" findet viele Mitglieder. Kritische Gedanken über Schönheitsoperationen äußern unter anderem Kardinal Karl Lehmann und die Schauspielerin Franke Potente in einer neuen Broschüre des Bundesgesundheitsministeriums.

"Nichts ist attraktiver und stellt jede oberflächliche Schönheit in den Schatten als ein tolles Selbstbewußtsein, Humor und Klugheit": Franka Potente.

"Ein perfektes Äußeres schüchtert Menschen oft ein", meint Franka Potente. Für sie wäre es eine "Horrorvorstellung", wenn sich ein Mädchen nach ihrem Vorbild operativ verändern lassen würde. Ein solcher Wunsch habe wohl eher mit Identifikationssehnsucht zu tun, die mit der Veränderung des Äußeren nicht erfüllt werde.

 

"Ein großes, fatales Mißverständnis", so Potente. "Schade auch, weil da offensichtlich jemand sich selbst nicht schätzt." Die junge Frau ist überzeugt, daß sie ihren Erfolg nicht ihrem Äußeren zu verdanken hat. "Nichts ist attraktiver und stellt jede oberflächliche Schönheit in den Schatten als ein tolles Selbstbewußtsein, Humor, Interesse und Klugheit", meint die Schauspielerin. "Schönheit ist total relativ."

"Selbstbestimmung wird oft genannt, was eigentlich Fremdbestimmung aufgrund von äußeren Einflüssen und gesellschaftlichem Druck ist": Kardinal Karl Lehmann.

So würde es Kardinal Karl Lehmann zwar nicht ausdrücken, doch im Prinzip stimmt er mit Franka Potente überein. "Wir sind nicht defizitär, nur weil wir keine von anderen definierten Idealmaße haben", so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Er warnt davor, zu leicht dem Machbarkeitswahn zu verfallen und wendet sich gegen die "Verzerrung des Menschenbildes, die hinter diesem Schönheitswahn steht". Junge Menschen stünden oft unter Gruppendruck und sähen in der Machbarkeit einen Ausdruck der Menschenwürde. "Dabei wird nur zu leicht Selbstbestimmung genannt, was eigentlich Fremdbestimmung auf Grund von äußeren Einflüssen und gesellschaftlichem Druck ist", so Lehmann.

Die Beiträge können jetzt in einer Broschüre nachgelesen werden, die das Bundesgesundheitsministerium in seiner Reihe "Denk-Anstöße" herausgegeben hat (wir berichteten). Dort äußern sich auch medizinische Experten und Sozialwissenschaftler.

Die Broschüre "Spieglein, Spieglein an der Wand ..." kann telefonisch unter der Bestellnummer A331 beim Bundesgesundheitsministerium unter der Rufnummer 01 80 / 51 51 510 bestellt werden. Die Broschüre steht auch zum Download im Internet zur Verfügung: www.bmgs.bund.de/deu/gra/publikationen/p_24.php

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