Ärzte Zeitung, 16.09.2005

Leber und Rinderfett - Heilmittel der alten Ägypter für Nachtblinde

"Vitamin-Geschichten": Das Unternehmen Orthomol stellt heute ein neues Buch vor / Ausstellung mit den Illustrationen von Raymond Côme

Vitaminmangel-Potpourri: Seeleute mit Skorbut und verrückte Hühner durch Vitamin-E-Mangel.

"Schon 1500 Jahre vor unserer Zeitrechnung behandelte man in Ägypten Nachtblinde mit Leber. Das wissen wir aus einem ,Schnäppchen‘, welches ein gewisser Georg Ebers im vorletzten Jahrhundert von Grabräubern zum Dumping-Preis erwarb. Seine 18 Meter lange Papyrusrolle mit dem medizinischen Wissen der ägyptischen Hochkultur enthält allein 100 Rezepte zur Behandlung bei Augenkrankheiten.

Der Biotin-Räuber hat Nüsse im Sack, denn sie sind hochdosierte Biotin-Spender.

Blind in der Nacht: eine Folge des Vitamin-A-Mangels.

Zielsicher setzten die Mediziner von einst bei Nachtblinden das effektivste Lebensmittel gegen Retinol-Mangel ein - natürlich ohne je von Vitamin A gehört zu haben: Man sollte Leber essen und die Pupillen mit Rinderfett ölen, lautete die Empfehlung. Der erste Teil dieser Behandlungsmethode überdauerte - zumindest im Prinzip - immerhin 3500 Jahre Medizingeschichte."

Interessante und spannende Geschichten zu Vitaminen wie diese aus dem alten Ägypten werden in einem neuen Buch für Ärzte und Apotheker erzählt, das das Unternehmen Orthomol in Langenfeld heute vorstellt: "Vitamin-Geschichten", geschrieben vom Ernährungsmediziner Professor Konrad Biesalski von der Universität Stuttgart-Hohenheim und der Diplom-Biologin und PR-Referentin Daniela Kleiböhmer aus Langenfeld.

Das Buch nimmt den Leser mit auf eine Reise von der Steinzeit in die Zukunft und um die ganze Welt von Südamerika bis zur Arktis. Das Besondere aber sind die Comic-ähnlichen Illustrationen des belgischen Malers Raymond Côme. Die Original-Illustrationen zum Buch und weitere Werke von Côme sind ab heute in einer Ausstellung in den Räumen von Orthomol zu sehen.

Der Erlös aus dem Verkauf der Ausstellungsposter geht an die Organisation "Sag’s e.V.", einen Verein gegen sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen.

Côme wurde, wie er selbst sagt, "vor allzu langer Zeit" in Duisburg geboren. Er studierte an der Königlichen Kunstakademie in Brüssel. Hier lebt der Maler immer noch. Während der 90er Jahre hat er vor allem in Belgien und Frankreich ausgestellt. Vor drei Jahren wurden seine Werke erstmals in Deutschland gezeigt, auch damals bei Orthomol. Denn das Vitamin-Buch ist nicht das erste, das er für das Unternehmen illustriert hat.

Die Geschichten um die Vitamine sind spannend. "Was viele über das Glück, die Liebe und das gute Wetter sagen, gilt auch für die Vitamine: Man nimmt sie erst dann richtig wahr, wenn man sie vermißt", heißt es im Vorwort. Mangelerkrankungen waren meistens Anlaß der Entdeckung der Vitamine.

Denn wenn Menschen in Gefangenenlagern, auf monatelangen Schiffsreisen oder in ärmlichen Verhältnissen mit einseitiger Kost leben mußten, brachen oft seltsame Krankheiten aus, heißt es weiter. Die Ernährung hatte oft direkten Einfluß auf die Symptome. "Findige Forscher oder Kommissar Zufall identifizierten einzelne Nahrungsmittel, die gefürchtete Krankheiten wie Skorbut, Beriberi oder Pellagra verhindern oder heilen konnten." Viele Infos und lustige Illustrationen, dieses Buch ist Infotainment im besten Sinne. (ug)

Die Kunstausstellung mit Werken von Raymond Côme findet in in den Räumen des Unternehmens Orthomol, Herzogstraße 30, 40764 Langenfeld, statt. Sie wird heute eröffnet und ist an den vier kommenden Sonntagen (18. und 25. September sowie 2. und 9. Oktober) von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Das Ausstellungsposter kostet 5 Euro.

Das 60-seitige Buch "Vitamin-Geschichten" wird vom Außendienst des Unternehmens an Ärzte und Apotheker abgegeben.

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