Ärzte Zeitung, 19.10.2005

Nicht der beste, der teuerste erhält den Nobelpreis für Medizin

Andreas Eschbachs neuer Roman über eine Erpressung

Gerade sind in Stockholm die diesjährigen Nobelpreise vergeben worden, da wirft ein aktueller Roman eine ungeheure Frage auf: Was wäre, wenn es bei der Vergabe der hohen Auszeichnungen - in der fiktiven Story geht es um den Medizinnobelpreis - nicht mit rechten Dingen zuginge?

Wenn der Preis gar nicht der Anerkennung einer wissenschaftlichen Glanzleistung Rechnung trüge, sondern ausschließlich geschäftlichen Interessen diente, die durch die Bestechung des Nobelkomitees gefördert werden sollen?

Das ist das Szenario, das der Bestseller-Autor Andreas Eschbach ("Das Jesus-Video") in seinem neuen Buch "Der Nobelpreis" entwirft. Protagonist des ersten Romanteils ist das schwedische Akademie-Mitglied Hans-Olof Johansson, dem ein Unbekannter drei Millionen Kronen bietet, wenn er bei der bevorstehenden Kür des Medizinnobelpreisträgers in seinem Sinne abstimmt.

Entrüstet lehnt Johansson ab. Dann aber wird seine Tochter Kristina entführt, und der Mediziner fügt sich dem Erpresser. Da Kristina trotz seiner kooperativen Haltung jedoch nicht wieder auftaucht, sucht Johansson Hilfe bei seinem Schwager Gunnar Forsberg, einem Industriespion, den er aber erst aus dem Knast loseisen muß.

Der zweite Teil des Thrillers wird aus Forsbergs Sicht erzählt. Seine aufwendigen Bemühungen, das vermutete Komplott aufzudecken, an die Hintermänner zu gelangen und den Ort herauszubekommen, wo seine Nichte festgehalten wird, nehmen den größten Teil des spannend geschriebenen Romans ein.

Der Spion setzt all seinen eingerosteten Sachverstand ein, doch seine Gegner scheinen ihm immer einen Schritt voraus zu sein. Bis zum völlig überraschenden Ende, das einmal mehr die Grenzen der Wahrheit verschiebt...

Wie gewohnt hat Eschbach die Hintergründe seines Thrillers gründlich recherchiert, weshalb der Leser gleichsam en passant interessante Details zum Nobelpreis und zum Milieu rund um das Nobelkomitee erhält. Fazit: kurzweilige Unterhaltung ohne literarischen Anspruch. (Smi)

Andreas Eschbach: Der Nobelpreis. Gustav Lübbe Verlag. Bergisch Gladbach 2005. 555 Seiten. 22,90 Euro.

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