Ärzte Zeitung, 01.12.2005

Susanne Osthoffs Engagement für die Menschen im Irak

Keine Spur von der verschleppten Deutschen  /  Die Archäologin hat Medikamente ins Land gebracht und das Gesundheitswesen mitaufgebaut

NEU-ISENBURG (ug). "Sie hat gesehen, wie die Menschen leiden, und hat unbedingt helfen wollen." So beschreibt Susanne Hacker vom Deutschen Medikamenten Hilfswerk action medeor die Motivation von Susanne Osthoff, die am Freitag im Irak verschleppt worden ist. Die Archäologin hat sich in den letzten Jahren vor allem für die humanitäre Hilfe engagiert.

Die im Irak entführte Deutsche Susanne Osthoff 2003 bei der Vorbereitung eines Hilfstransportes in den Irak. Foto: dpa

Fünf Tage nach der Entführung von Susanne Osthoff haben lokale Behörden noch keine Spur von der verschleppten Deutschen, meldet dpa. Das Innenministerium in Bagdad habe die Sicherheitsbehörden angewiesen, allen Hinweisen nachzugehen, sagte ein Ministeriumssprecher gestern in Bagdad.

Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte angesichts der Entführung ein konsequentes Vorgehen an. "Wir lassen uns nicht erpressen", sagte sie gestern in ihrer ersten Regierungserklärung in Berlin. Motive oder Hintergründe der Tat seien noch unklar. Die Regierung werde alles tun, um die Deutsche und ihren ebenfalls entführten irakischen Fahrer so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen.

Susanne Osthoff war im April 2003 die erste westliche Privatperson, die eine Medikamenten-Hilfslieferung während des Irak-Kriegs nach Bagdad gebracht hat. Damals hat action medeor mit der Direkt-Hilfe Irak (heute Kinderhilfe Irak) der IPPNW (International Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.) zusammengearbeitet.

Eine Tonne Notfall-Medikamente, etwa Antibiotika und Schmerzmittel, aber auch Verbandsstoffe, Nahtmaterial und Skalpelle, im Wert von 10 000 Euro wurden am 15. April nach Damaskus geflogen. Um 19.20 Uhr kam das Flugzeug an. Susanne Osthoff, Kontaktperson der Direkt-Hilfe Irak, habe die Lieferung am Flughafen abgeholt und per Transporter noch in der Nacht über Schleichwege nach Bagdad gebracht, erzählt Susanne Hacker im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Das war kein einfacher Transport. Der Weg habe durch vermintes Gebiet geführt, und einmal sei der Transport sogar unter Beschuß geraten, heißt es in einem IPPNW-Bericht von 2003. Doch die Archäologin, die fließend Arabisch spricht, hat es geschafft, die Hilfslieferung in das Saddam-City-Hospital und das Al-Kindi-Hospital nach Bagdad zu bringen.

Auch für den Aufbau des Gesundheitswesens im Irak hat sich Susanne Osthoff seit Jahren engagiert. Seit 1998 arbeite die heute 43jährige als Beraterin, Organisatorin und Trainerin für die Münchner Unternehmensberatung FaktorM, berichtet n-tv. Sie initiiere und koordiniere Projekte zum Gesundheitswesens.

Der Münchner Tropenmediziner Dr. Folke Hess von der IPPNW, der Susanne Osthoff gut kenne, beschreibe sie vor allem als "sehr durchsetzungsstark", so Susanne Hacker weiter. Sie sei eine Frau, die sich im Irak zuhause fühle und die immer einen Weg finde, auch in schwierigen Situationen Hilfe zu leisten. So hat Susanne Osthoff auch einige bedrohte irakische Journalisten aus dem Land gebracht. 2003 wurde ihr ein von der "Süddeutschen Zeitung" gestifteter Preis für Zivilcourage verliehen.

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