Ärzte Zeitung, 27.02.2006

Gladiatoren kämpften nach festen Regeln

Überreste von 67 Gladiatoren aus Ephesus untersucht / Verletzungen nur am Schädel

Antike Gladiatorenkämpfe arteten nach neuen Untersuchungen nicht unbedingt in brachiales Gemetzel aus: Die im Amphitheater von Ephesus in der Türkei kämpfenden Sklaven zumindest hielten sich an die vorgegebenen Regeln und hatten vermutlich pro Attacke nur einen Waffentyp zur Verfügung.

Das gehe aus Studien österreichischer Forscher hervor, die die Überreste von 67 Gladiatoren forensisch untersuchten ("New Scientist" 2540, 2006, 17). Die Gladiatorengräber aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus wurden erst 1993 in dem einstigen Machtzentrum des Römischen Reiches entdeckt.

Karl Großschmidt von der Medizinischen Universität Wien und Fabian Kanz vom Österreichischen Archäologischen Institut ermittelten nun via Computertomographie und mikroskopischer Analyse, daß die Kämpfer Verletzungen zumeist nur am Schädel, nicht aber am Körper hatten. Auch Verstümmelungen gab es keine.

Außerdem fanden die Forscher weitere Hinweise für eine bereits ältere Vermutung: Gladiatoren, denen das Publikum durch Daumensenken den Tod zugedacht hatte, wurden vermutlich noch lebend aus der Arena geschleift und hinter den Kulissen durch einen einzigen Hammerschlag auf den Kopf getötet.

Eine quadratisches Loch am seitlichen Schädel deutet darauf hin. Die neuen Ergebnisse, veröffentlichten die Österreicher im Fachblatt "Forensic Science International". (dpa)

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