"Herznaht" - von Ärzten, die auch Dichter waren

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Alfred Döblin und Arthur Schnitzler, George Duhamel und Arthur Conan Doyle, Ernst Weiss und Peter Bamm - sie alle waren Ärzte und Schriftsteller zugleich, und manche von ihnen wie William Carlos Williams oder auch Gottfried Benn waren es Zeit ihres (Berufs)lebens.

Hanne Kulessa hat in ihrem Band "Herznaht" Texte von Arztschriftstellern ausgewählt, die das Spektrum dieser Doppelprofession (fast) in ihrer ganzen Breite veranschaulichen. Nur das Genre des Kriminalromans fehlt in ihrem Buch, und damit ein Genre, in dem sich gerade in letzter Zeit viele Ärzte einen Namen gemacht haben: der Ire Paul Carson, der US-Autor Robin Cook, die Schwedin Asa Nilsonne sowie die Deutschen Martin Kleen, Renate Klöppel und Christoph Spielberg.

In ihrem Buch stellt Hanne Kulessa auch die Wechselbeziehungen zwischen Malerei und Medizin dar: Mit 30 Reproduktionen von Breughel, Bosch und Rembrandt, aber auch Goya, van Gogh und Pasternak werden ärztliche Tätigkeiten wie die des Zahnarztes, des Steinschneiders oder des Anästhesisten dargestellt.

Arztschriftstellerei ist ganz sicher keine Männerdomäne

Der Band läßt nur an einer Stelle sehr zu wünschen übrig - ausgerechnet bei Hanne Kulessas Übersichtsartikel über die Schriftstellerärzte: Daß Ernst Augustin kein Schweizer Autor ist, wie sie behauptet, sondern in Schlesien geboren wurde, in der DDR aufwuchs und sich nach seiner Tätigkeit in Afghanistan in München niederließ, mag man noch durchgehen lassen.

Doch wenn die Autorin schreibt, die Arztschriftstellerei sei eine reine Männerdomäne, dann liegt sie mit Sicherheit falsch: Die Französin Laurence dal Cappelo, die Schwedin Asa Nilsonne, die US-Amerikanerin Tess Gerritsen und die Deutschen Renate Klöppel, Ilka Scheidgen und Claudia Gudelius - letztere immerhin von S. Fischer, Rowohlt und Rotbuch publiziert - sind Namen, die man kennen sollte, wenn man mit dem Metier befaßt ist.

Ganz sicher aber sollte einem die belgisch-chinesische Autorin Han Suyin ("Alle Herrlichkeit auf Erden") einfallen, die ihren erfolgreich verfilmten Welterfolg während der ärztlichen Tätigkeit in Hongkong verfaßte. Trotzdem hat die Symbiose zwischen Literatur, Medizin und Malerei sicher etwas für sich - soviel, daß die Anschaffung des Bandes durchaus lohnt. (FHV)

Hanne Kulessa: Herznaht - Arzte, die Dichter waren. Von Benn bis Schnitzler. Europa Verlag. Hamburg 2005. 223 Seiten. 24,80 Euro.

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