Ärzte Zeitung, 19.05.2006

Genetiker wollen klären, wer Kolumbus war

Vor 500 Jahren starb im spanischen Valladolid der Entdecker Amerikas / Geburtsort des Seefahrers ist rätselhaft

Von Manuel Meyer

MADRID. Mit der Entdeckung Amerikas veränderte Christoph Kolumbus die Welt. Trotz seiner Berühmtheit geben seine Herkunft und sein Tod noch immer Rätsel auf. So gilt bislang als unbewiesen, daß der weltberühmte Seefahrer wirklich in Genua geboren wurde. Auch ist nicht geklärt, wo er begraben wurde.

Der spanische Humangenetiker José Antonio Lorente (hinten) will die Herkunft von Kolumbus und auch den Verbleib seiner Gebeine klären. Fotos: mame

Italien und Spanien streiten sich darum, ob es ein Italiener oder ein Spanier war, der die "Neue Welt" entdeckt hat, Spanien und die Dominikanische Republik behaupten, die wahren Überreste des Admirals zu besitzen. Ein Streit, der aus Anlaß seines 500. Todestags jetzt wieder aufflammt.

Die angeblichen Gebeine des Amerika-Entdeckers aus dem Kolumbus-Grab der Kathedrale von Sevilla. Sie werden derzeit an der Universität Granada analysiert.

Ein Forscherteam der Universität Granada versucht mit einer Art "postumen Vaterschaftstest", Klarheit zu schaffen. Bereits im Juni 2003 exhumierte der spanische Humangenetiker José Antonio Lorente die Knochenreste aus dem Kolumbus-Grab in der Kathedrale von Sevilla. Neben den angeblichen Gebeinen des Amerika-Entdeckers befinden sich in der Gruft nachweislich auch die Überreste seines Sohnes Hernando.

DNA-Vergleichsproben können auch nicht beweisen

Die Genetiker vergleichen nun die Y-Chromosome von Vater und Sohn. Zwar gebe es noch keine 100prozentige Bestätigung, aber die DNA-Vergleichsproben lassen darauf schließen, daß sich tatsächlich Reste von Kolumbus in der spanischen Kathedrale befinden, erklärt Lorente. Das sei allerdings noch kein Beweis dafür, daß Kolumbus nicht auch im monumentalen "Faro de Colón" in der Dominikanischen Republik ruht, so der DNA-Experte.

Schon seit 1877 behauptet der Karibikstaat, die wahren Überreste von Kolumbus zu besitzen, nachdem in der Kathedrale von Santo Domingo eine Urne mit der Inschrift "Don Christoph Kolumbus" gefunden wurde. Tatsächlich befanden sich Kolumbus‘ Gebeine auf Wunsch des Admirals an diesem Ort. Kolumbus starb am 20. Mai 1506 im spanischen Valladolid.

Drei Jahre später wurden seine Gebeine nach Sevilla gebracht und im Jahre 1544 nach Santo Domingo verschifft. Im Kolonialkrieg mit Frankreich retteten die Spanier den Sarg 1795 nach Kuba. Doch als Spanien im Krieg mit den USA 1898 auch Havanna aufgeben mußte, setzten sie die Überreste in der Kathedrale von Sevilla bei.

Die Dominikanische Republik behauptet allerdings, die Spanier hätten in den Kriegswirren die falschen Gebeine mitgenommen. "Zumindest könnten kleinere Knochenreste in Santo Domingo verblieben sein", meint Lorente. Solange die dominikanischen Behörden aber keine Erlaubnis geben, die dortigen Knochenreste zu exhumieren, kann der Fall nicht eindeutig geklärt werden, bedauert der Genetiker.

War Kolumbus der uneheliche Sohn eines Prinzen?

Unterdessen versucht Lorente zu klären, woher Kolumbus überhaupt stammt. Es gibt derzeit 14 Theorien über seine Abstammung. Die meisten Kolumbus-Experten glauben, daß er aus Genua stammt. Doch haben Historiker bisher nur zwei Belege dafür gefunden, daß er des Italienische überhaupt mächtig war.

Normalerweise schrieb Kolumbus auf Spanisch. Viele Experten meinen, er könnte auch der uneheliche Sohn des spanischen Prinzen Carlos de Viana sein. Andere Wissenschafter behaupteten, der Entdecker komme aus Galicien, Portugal, Katalonien oder Mallorca.

Mittels Gentests versuchen die spanischen Genetiker nun eindeutig den Geburtsort von Kolumbus bestimmen. Da noch nicht zu 100 Prozent sicher ist, ob die Gebeine aus Sevilla wirklich von Kolumbus stammen, vergleichen sie DNA-Proben von Hernando mit solchen möglicher männlicher Nachkommen aus Spanien, Frankreich und Italien, die Colombo, Colón oder Coulomb heißen.

In Italien hat die Molekularanthropologin Olga Rickards von der Universität Tor Vergata in Rom bereits 250 DNA-Proben von möglichen Kolumbus-Nachfahren für das spanische Forschungsprojekt einholen können. Wenn alle Daten vorliegen, werden sämtliche DNA-Proben in einem Spezial-Computer an der Universität von Texas verglichen. Die Genetiker sind zuversichtlich, daß die Welt schon in den nächsten Monaten erfahren wird, ob ein Italiener oder ein Spanier Amerika entdeckt hat.

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