Ärzte Zeitung, 22.06.2006

Behandlungsplatz oder ortsnahe Klinik - für Erstversorgung gibt es zwei Konzepte

Ärzte erwarten weiterhin nur kleinere Verletzungen, sind aber auf alles vorbereitet

Von Brigitte düring

Der Hannoveraner Katastrophenmediziner Professor Hans-Anton Adams gibt der Notfallmedizin in Zeiten der WM gute Noten. Die im Auftrag der Bundesregierung erstellten Konzepte zur Bewältigung von Großschadensereignissen, "sind wirklichkeitsnah erprobt, obwohl sie kontrovers diskutiert werden", so der Leiter der Stabstelle für interdisziplinäre Notfall- und Katastrophenmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover.

Die Retter erwarten bei der WM weiterhin vor allem internistische Notfälle, Unfälle und Verletzungen durch Gedränge, randalierende und alkoholisierte Fans. Gewappnet ist man aber auch für Szenarien mit bis zu 1000 Verletzten.

Zwei Konzepte für die Erstversorgung

"Sämtliche Spielstätten richten sich mit ihren Vorkehrungen für den Rettungsdienst nach dem Musterkonzept, das für die WM vom Bundesinnen- und den Länderinnenministerien verabschiedet wurde. Die Planung sieht vor, daß bis zu zwei Prozent der Besucher medizinisch versorgt werden können", sagt der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Leipzig, Dr. Wulf-Hinrich Storch.

Das wären für Leipzig, wo am Samstag eine der Achtelfinal-Begegnungen stattfindet, bis zu 900 verletzte Personen. Die konkrete Umsetzung variiert von Stadt zu Stadt. Leipzig baut wie Hannover und Frankfurt bei einer großen Zahl an Opfern auf das Konzept der Erstversorgung von Schwerstverletzten in naheliegenden Kliniken, andere Spielstätten auf die Versorgung am Behandlungsplatz.

In Leipzig werden am Stadion zwei Behandlungsplätze eingerichtet. Sie sind mit je elf Ärzten besetzt, wovon jeder wie im Rettungswagen ausgerüstet ist, also auch mit Beatmungsgeräten. Pro Behandlungsplatz können bis zu 25 Verletzte gleichzeitig versorgt werden, erläutert Storch. Direkt im Stadion befindet sich der Rettungswachdienst mit 100 Personen.

Zusätzlich stehen drei Sanitätsformationen mit jeweils 70 Sanitätern in Alarmbereitschaft. Passiert ein größeres Unglück, bei dem mehr als 50 Menschen gleichzeitig zu versorgen sind, werden schwerstverletzte Personen nicht zum Behandlungsplatz, sondern sofort in Krankenhäuser der Stadt gefahren und dort erstversorgt. Einbezogen sind sechs Akutkliniken, die in diesem Fall den Routinebetrieb unterbrechen würden. Weitere Unterstützung kann bei so vielen Verletzten aus dem Umland angefordert werden. "Dort halten sich fünf Sanitätszüge mit jeweils 29 Einsatzkräften bereit", sagt Storch.

"Alle denkbaren Ereignisse durchgespielt"

Auch das normale diensthabende Rettungssystem ist im Einsatz, das durch zwei Sanitätszüge in Alarmbereitschaft verstärkt werden kann. Das Zusammenspiel dieser ganzen Kräfte sei ausreichend erprobt worden, versichert Storch. Allerdings: "Einen Anschlag kann niemand vorhersehen. Unsere Verantwortung besteht darin, alle denkbaren Ereignisse durchgespielt zu haben."

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