Ärzte Zeitung, 12.10.2006

Vier Helfer müssen die Patienten in der Pferdeklinik beruhigen

Etwa 5000 Pferde werden pro Jahr in der Klinik in Seeburg behandelt / Auch Augenoperationen und Kieferchirurgie werden angeboten

SEEBURG (ddp.vwd). Es sieht fast aus wie in einer normalen Klinik. Doch ein strenger Geruch, vereinzelte Strohhalme auf dem Boden und lästige Fliegen machen schnell deutlich, daß hier keine Menschen, sondern Pferde behandelt werden.

Tierärztin Marlis Gronenberg (links) und eine Mitarbeiterin bereiten die Operation eines Hengstes vor. Foto: ddp

In der Tierärztlichen Klinik für Pferde in Seeburg in Brandenburg sind die Patienten meist auch etwas störrisch, und sie sind laut. So will eine einjährige Rennstute partout nicht in den engen Zwangsstand im Untersuchungsraum. Vier Helfer müssen sie erst mal beruhigen und festhalten, bevor Tierarzt Dieter Schad mit der Begutachtung ihres Kehlkopfes beginnen kann.

Schnell befördert er ein 40 Zentimeter langes Endoskop für den sogenannten Slap-Test in den Hals der Stute. Damit soll bei ihr eine weit verbreitete Pferdekrankheit, das Kehlkopfpfeifen, ausgeschlossen werden. "Wäre sie daran erkrankt, wäre eine Karriere im Rennsport eigentlich futsch", erklärt Pferdepfleger Andreas Melse vom Gestüt Görlsdorf. Das wäre schrecklich, schließlich sei der Preis der Stute dann auch viel geringer. Etwa 50 000 Euro solle sie bei der diesjährigen Auktion in Baden-Baden doch einbringen.

Die Tierärzte in der Seeburger Pferdeklinik sind im Dauereinsatz. Es wird untersucht, geröntgt, kastriert und operiert. "Wir sind eine der modernsten Kliniken in Deutschland", sagt Mitinhaberin Marlis Gronenberg.

In Seeburg werden unter anderem Computertomographie, Ultraschall, Augenoperationen und Kieferchirurgie angeboten. Auf dem zwei Hektar großen Klinikgelände können bis zu 33 Pferde untergebracht werden. Jährlich werden den Angaben zufolge etwa 5000 tierische Patienten behandelt.

Eine hübsche Fuchsstute drückt ihren Protest über die umfassende Untersuchung mit lautem Wiehern aus. Da mißt eine Schwester bereits hinten ihre Temperatur, und der Tierarzt begutachtet vorne ihre Zähne. Im Laufe der nächsten Stunde, so lange kann eine umfassende Begutachtung dauern, kommt auch der Arzt ins Schwitzen.

Für eine komplette Röntgenuntersuchung muß er 18 verschiedene Aufnahmen von den großen Gliedmaßen machen. "Da weiß ich abends schon, was ich getan habe", gibt Schad, der Fachtierarzt für Pferde ist, zu. Zurzeit sei zudem Hochbetrieb. "Die Auktion in Baden-Baden steht an, und da benötigen die Tiere einen Gesundheitscheck."

Doch nicht immer dreht sich in Seeburg alles um hochgezüchtete Rennpferde. "Wir behandeln natürlich auch ganz normale Reitpferde", sagt Gronenberg.

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