Ärzte Zeitung, 05.12.2006

Hollywood gegen das Morden im Sudan

Auch US-Schauspieler unterstützen die amerikaweite Kampagne "SaveDarfur"

Von Hans Dahne und Sebastian Döring

Der "Terminator" krempelt wieder die Ärmel hoch, und selbst der "Mann mit dem größten Sexappeal der Welt" ("People Magazine") gibt den vollen Einsatz: Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger und Oscar-Preisträger George Clooney sind vielleicht die bekanntesten Gesichter unter einer Schar von Millionen, die sich in den USA für ein Ende des "Völkermordes" in der sudanesischen Krisenregion Darfur engagieren.

Besucher blicken auf Fotos aus Darfur, die auf die Fassade des Holocaust Memorial Museums in Washington projiziert werden. Fotos: dpa

Wie stark eine solche Massenbewegung sein kann, zeigt allein, daß die US-Regierung dem Sudan ein Ultimatum bis zum 1. Januar gestellt hat, UN-Schutztruppen ins Land zu lassen.

US-Schauspielerin Mia Farrow klagt gegen den Krieg.

Das Bündnis "SaveDarfur" (Rettet Darfur) besteht nach eigenen Angaben aus 178 Organisation mit etwa 180 Millionen Mitgliedern. Darunter sind Menschenrechtler, Gewerkschafter, Schauspieler, Nobelpreisträger und Olympiasieger. Bei "Rock for Darfur"-Konzerten sollen Spenden gesammelt werden. Mit der Aktion "Dollars for Darfur" sammeln Schüler an etwa 27 000 Highschools in den USA Geld. "Ich habe diese Art der Mobilisierung unter Studenten seit der Anti-Apartheid-Bewegung vor 25 Jahren nicht mehr gesehen", sagt John Hefferman vom Holocaust-Museum in Washington.

"Wir müssen unsere Regierung zum Handeln drängen"

US-Schauspielerin Mia Farrow berichtet in Washington von ihren Erlebnissen nach einer Reise in Sudans Nachbarland Tschad, wo viele Vertriebene Zuflucht gefunden haben. Sie präsentiert rußbedeckte Fundstücke eines niedergebrannten Dorfes. "Eine Frau schilderte mir den Terror. Sie flüchtete mit ihren sechs Kindern, als ihr Dorf attackiert wurde. Auf der Suche nach Nahrung töteten Milizen ihr Baby auf ihrem Rücken", sagt Farrow. Der Albtraum sei unvorstellbar. "Wir müssen unsere Regierung zum Handeln drängen."

Es ist nicht so, daß die US-Regierung das Leid der 200 000 Getöteten und zwei Millionen Vertriebenen nicht auf ihrem Radar hat. Anders als die UN nannten der US-Kongreß und US-Präsident George W. Bush das Morden, Vergewaltigen und Brandschatzen von arabisch-muslimischen Reitermilizen unter der Zivilbevölkerung schon 2004 einen Völkermord.

Internationaler Gerichtshof soll im Fall Darfur ermitteln

US-Außenministerin Condoleezza Rice drohte dem Sudan im September mit einer Verschlechterung der Beziehungen. Der Kongreß ermächtigte den Präsidenten zu Sanktionen gegen Hintermänner des Mordens. Obwohl die USA dem Internationalen Gerichtshof sonst nichts abgewinnen können, soll dieser im Fall Darfur gegen Verantwortliche in der sudanesischen Führung ermitteln.

Nur: Trotz des Auffahrens aller schweren diplomatischen Geschütze geht das Morden in Darfur seit Sommer 2003 weiter. Die Regierung in Khartum weiß, daß die US-Armee wegen der Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan keine dritte Front eröffnen will und kann.

Das Darfur-Bündnis hat nach eigenen Angaben Millionen von Spendengeldern in sehr emotionale Zeitungs- und Fernsehwerbung gesteckt, um die US-Bürger aufzurütteln. Mit E-Mail-Kampagnen und Telefon-Aktionen bombardieren die Darfur-Unterstützer das Weiße Haus und ihre Abgeordneten im Kongreß.

Darfur ist inzwischen überall - selbst in Sichtweite des Weißen Hauses. Das Holocaust-Gedenkmuseum erhellt bei Einbruch der Dunkelheit den Blick auf Darfur. Auf die Museumsmauern werden Fotos projiziert. Im Museum widmet sich ein Teil der Ausstellung der Darfur-Krise. (dpa)

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