Ärzte Zeitung, 01.02.2007

Hitze, Sturzregen und Gewitter - extremes Wetter in Deutschland

Forscherin berechnet Folgen des Klimawandels

Der globale Klimawandel erfasst unausweichlich auch Deutschland und wird die Temperaturen bis zum Jahr 2100 je nach Szenario um bis zu vier Grad Celsius steigen lassen.

Düstere Aussicht: Klimaforscherin Daniela Jacob. Foto: dpa

"Deutschland muss sich spätestens zur Mitte des Jahrhunderts auf die Zunahme extremer Wetterereignisse wie starker Sommergewitter oder längerer Trockenperioden einstellen", erklärt Daniela Jacob vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie. So genau wie sie hat hier zu Lande noch niemand hingeschaut: Unter dem Namen Remo (Regionalmodell) schuf Jacob zusammen mit ihren Kollegen die bislang umfassendste Klimasimulation für die Bundesrepublik.

"Fast gesichert ist, dass sommerliche Starkniederschläge und Gewitter zunehmen", sagt die Max-Planck-Forscherin. Das gelte sowohl für deren Anzahl als auch für die Niederschlagsmenge. Eines der betroffenen Gebiete ist etwa der gesamte Einzugsbereich der Elbe. Die Prognose sagt zudem doppelt so viele ein- und zweiwöchige Niedrigwässer am Rhein voraus. Auch lange Hitzeperioden - etwa wie im Jahr 2003 - würden künftig wahrscheinlicher. Der Analyse nach wird es von etwa 2020 oder 2030 an im Winter durchschnittlich zehn nasse Tage mehr geben.

Der Blick in die Zukunft prophezeit für die Wintertemperaturen eine stärkere Zunahme als für die Sommerwerte. "Wir müssen mit 20 bis 30 Prozent mehr Niederschlägen im Winter rechnen, ein Großteil davon als Regen", erklärt die Hamburger Forscherin. Stark rückläufig sind hingegen die Sommerniederschläge in Süd- und Südwestdeutschland sowie in Nord-Ostdeutschland. Hier könnte es bis zum Ende dieses Jahrhunderts im Vergleich zu heute ein Minus von bis zu rund 35 Prozent geben. Stärkere Gewitter erwartet die Meteorologin besonders in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Brandenburg.

Die mit ähnlichen Vorhersagen befassten rund 15 europäischen Arbeitsgruppen kamen mit dem Hamburger Verfahren zu vergleichbaren Resultaten: "Die Modelle unterscheiden sich nur noch in der Stärke, nicht darin, dass etwas passieren wird", erklärt Jacob. (dpa)

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STICHWORT

UN-Klimarat und seine Berichte zum Klimawandel

Der UN-Klimarat wurde 1988 angesichts der Erderwärmung gegründet. Das Gremium soll die wissenschaftlichen Daten zum Klimawandel sammeln, auswerten und verständlich darstellen. Ins Leben gerufen wurde der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Klimawandel (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) von der Weltwetterorganisation (WMO) und dem UN-Umweltprogramm (UNEP).

Der UN-Klimarat mit Sitz in Genf forscht nicht selbst, sondern fasst seriöse wissenschaftliche Studien zusammen. Er hat bislang drei umfassende Berichte zum Klimawandel veröffentlicht, und zwar in den Jahren 1990, 1995 und 2001. (dpa)

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.ipcc.ch

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