Ärzte Zeitung, 13.03.2007

CeBIT räumt Telemedizin großen Raum ein

Lösungen zu elektronischer Patientenakte und Gesundheitskarte locken auch Niedergelassene nach Hannover

HANNOVER (cben). Die elektronische Patientenakte und die Gesundheitskarte, beides Dauerbrenner der Telemedizin, werden ab dem 15. März in Hannover auf der CeBIT, der weltgrößten IT-Messe der Welt, von den Ausstellerfirmen gezeigt. Die CeBIT kann auch Ärzten, die an EDV-Anwendungen interessiert sind, einen Besuch wert sein. Ebenfalls Themen auf der Messe: Kuriositäten wie die Ultraschallbrille für Blinde oder der mobile Gesundheitsassistent.

Die CeBIT-Fahnen wehen bereits vor dem Messegelände in Hannover. Foto: ddp

Niedergelassene dürfte das Angebot der InterComponent Ware AG (ICW) aus Walldorf besonders interessieren. Die Firma hat mit "Praxis4more" eine Lösung gefunden, um die rund 120 verschiedenen Praxiscomputer-Systeme, die auf dem Markt sind, zu vernetzen "ohne dass man als Arzt neue Geräte kaufen muss", sagte ICW-Pressesprecher Dirk Schuhmann.

"Die Software bedient sich der in der Regel wenig genutzten X-DT-Schnittstellen, die die KBV für alle Praxiscomputer vorgeschrieben hat". Patientendaten können so auf eine Gesundheitsakte im Internet übertragen werden und auch wieder in andere Praxissysteme eingespielt werden, so Schuhmann zur "Ärzte Zeitung". Das Produkt kommt voraussichtlich im Juli auf dem Markt (Halle 9, Stand D28).

Blinden hilft diese "Ultraschall Orientierungsbrille" der Uni Greifswald mittels akustischer Signale beim Orten von Gegenständen. Foto:Uni Greifswald, Augenklinik

Digitales Handbuch erklärt Patienten Blutzuckermessgerät

Die Augenklinik der Uni Greifswald hat ein elektronisches, interaktives "Handbuch" entwickelt, um chronisch Kranke zu informieren und aufzuklären. "Bei uns geht es um Glaukompatienten, aber das System ist auch etwa bei Patienten mit Diabetes einsetzbar," sagte Clemens Jürgens, Arzt und Informatiker in Greifswald. Nach der Art eines Trickfilms und mit Hilfe eines professionellen Sprechers könnten die Patienten etwas über die richtige Handhabung von Blutzuckermessgeräten erfahren. "Das Handbuch lässt sich zum Beispiel an eine elektronische Gesundheitsakte anhängen und über das Internet vom Patienten starten", sagte Jürgens, "aber der Arzt kann es auch auf dem Mobiltelefon in der Kitteltasche bei sich tragen und es bei Bedarf einfach vorführen" (Halle 9, Stand C15).

Seine Lösung für die physische Erstellung einer elektronischen Gesundheitskarte (E-Card) stellt der Softwarehersteller Winter AG aus Unterschleißheim auf der CeBIT vor. Dazu baut das Unternehmen eine Demo-Strecke in der Messehalle auf. Besucher, die ihre Krankenversichertenkarte (KVK) mitbringen, können sich dann vor Ort mittels der "Kiosk-Lösung" eine E-Card mit Echtdaten und einem Foto erstellen lassen. Dazu wird die KVK in ein Lesegerät eingeschoben, die gespeicherten Daten extrahiert und ein digitales Foto geschossen. Foto und Daten werden anschließend auf einen von der Winter AG zur Verfügung gestellten Kartenrohling gepresst. In der Praxis, so Fritsche, müssten dann Patienten mit ihrer persönlichen Geheimnummer (PIN) die Transaktion freigeben. "Es sind noch viel mehr Anwendungen eines solchen Kiosks möglich. Zum Beispiel könnten Patienten Besuche im Fitnessstudio auf der Karte vermerken lassen, um dann automatisch einen Bonus von ihren Kassen zu erhalten" (Halle 9, Stand C52).

Microsoft wird auf der CeBIT Anwendungen der Hamburger Asklepios Future Hospitals (AFH) Initiative zeigen. Seit etwa einem Jahr können in Hamburg-Barmbek Klinikärzte und Niedergelassene im Rahmen der eHealth Interoperability Plattform (eHIP) das Asklepios Arztportal nutzen und sämtliche Falldaten eines Patienten einsehen. Zudem können sie Informationen zu medizinischen Fachfragen einholen. "Wir werden erste Anwendererfahrungen diskutieren" ,so Jens Dommel von Microsoft (Halle 4, Stand A26).

Mobiler Gesundheitsassistent liefert Patientendaten

Das Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen hat zusammen mit fünf anderen Fraunhofer Instituten den "mobilen Gesundheitsassistenten" entwickelt. Es handelt sich dabei um eine leicht
überzustreifendes "Sensorhemd" mit eingebauten Elektroden. Sie erfassen auch außerhalb der Arztpraxis die Herzkreislauf-Funktionen und leiten diese über ein mobiles Kommunikationsgerät (PDA) und Internet oder Mobiltelefon an die Praxis weiter (Halle 9, Stand B36).

Die Computermesse CeBIT dauert vom 15. März bis zum 21. März. Infos im Internet unter: www.cebit.de. Parallel zur CeBIT findet am 19. und 20. März der Fachkongress "TeleHealth 2007"statt. Infos dazu unter www.telehealth.de.

Sichere Orientierung wie Fledermäuse

Von den Fledermäusen abgeschaut beziehungsweise abgelauscht ist die so futuristisch wie klobig
anmutende "Ultraschall Orientierungsbrille" für Blinde und Sehbehinderte.

Sie wurde in der Augenklinik
der Uni Greifswald entwickelt. "Die Brille enthält einen Sender und einen kleinen Parabolspiegel", erklärt Clemens Jürgens von der Augenklinik. Je näher der sehbehinderte Patient einem Hindernis komme, um so höher erklinge in der Brille ein Pfeifton - ähnlich einer Einparkhilfe. Einen Prototypen der Brille gibt es bereits. "Die Patienten, die das System ausprobiert haben, sind sehr zufrieden," so
Jürgens (Halle 9, Stand C15).

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