Ärzte Zeitung, 12.03.2007

Tsunami-Opfer verkaufen ihre Niere, um zu leben

Polizei zerschlägt Handel

NEU-ISENBURG (Smi). Sie haben zwar den Tsunami vor zwei Jahren überlebt, sind aber heute so arm, dass sie sogar ihre Nieren verkaufen. Über Dutzende solcher Schicksale vor allem aus Indien berichtet der britische TV-Sender BBC.

Bei der Katastrophe am 26. Dezember 2004 starben in Südostasien mehr als 230 000 Menschen, die meisten in Indonesien. Hunderttausende von Häusern wurden zerstört und Zehntausende von Existenzen vernichtet.

Auch die von Lata Kalas Familie. Sie lebt in der Hafenstadt Chennai an der Ostküste Süd-Indiens am Golf von Bengalen. Die Hauptstadt des Bundesstaates Tamil Nadu war vom Tsunami zwar nicht am stärksten betroffen, doch durch die Naturgewalt wurden Tausende Fischer ihrer Boote beraubt. Auch Lata Kalas Ehemann verlor damals seine Arbeitsgrundlage. Seither ist die Familie bettelarm. Vor ein paar Wochen verkaufte Lata Kala eine ihrer Nieren. In einem Krankenhaus in Chennai wurde die Operation vorgenommen.

"Der Arzt hat mich gewarnt, dass ich Atemprobleme und Rückenschmerzen haben werde", erzählt die junge Tamilin. "Aber ich stimmte der Operation zu, weil ich Schulden und Kinder habe. Wer soll sie ernähren?"

Die indische Polizei ermittelt in Dutzenden von Fällen, in denen verzweifelte Tsunami-Opfer auf dem Schwarzmarkt für Organtransplantationen ihre Nieren verkauft haben. Die BBC berichtet darüber, dass etwa 30 Überlebende des Tsunami darauf warteten, ihre Nieren zu verkaufen, als der Skandal öffentlich wurde.

Viele Opfer, die ihre Organe veräußert haben, wurden zudem betrogen. Ihnen wurden zwischen 50 000 und 100 000 Rupien (etwa 850 bis 1700 Euro) pro Niere angeboten, sie haben dann aber nur die Hälfte erhalten.

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