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Angioödem nach Sex durch Sperma-Allergie

STUTTGART (ner). Allergien auf Sperma sind zwar selten. Stuttgarter Allergologen vermuten allerdings eine hohe Dunkelziffer, besonders unter jungen Frauen mit Atopien. Die Reaktionen reichen von lokalen Rötungen nach Sperma-Kontakt bis hin zum anaphylaktischen Schock.

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Bereits dreimal war eine 23-jährige Frau mit akutem Angioödem und Urtikaria, Luftnot und Schwächegefühl stationär im Klinikum Stuttgart aufgenommen worden. Erst dann konnte die Diagnose einer Allergie auf das Sperma des Partners gesichert werden, berichten Dr. Gabriele C. Nist und Professor Peter von den Driesch von der Klinik in Stuttgart (JDDG 5, 2007, 34). Zuvor waren bei der Frau mit atopischem Ekzem Nahrungsmittelunverträglichkeiten vermutet worden.

Pricktest mit unterverdünntem Sperma bestätigt Allergie

Nachfragen ergaben jedoch, dass sie etwa eine Stunde vor jedem Ereignis ungeschützten Geschlechtsverkehr mit ihrem festen Partner gehabt hatte. Bei Geschlechtsverkehr mit Kondom war die Patientin dagegen beschwerdefrei. Ein Pricktest mit dem unverdünnten Sperma bestätigte den Verdacht.

Weltweit sind nach Angaben der Allergologen etwa 80 Fälle einer Sperma-Allergie beschrieben worden. Womöglich seien jedoch mehr Menschen betroffen. So habe sich im vergangenen Jahr am Klinikum Stuttgart ein weiterer Verdacht einer lokalisierten Kontakturtikaria auf das Sperma des Partners bestätigt. Betroffen sind meist Frauen zwischen 20 und 30 Jahren, häufig mit Atopien.

Bei bis zu 20 Prozent von ihnen tritt eine Generalisierung der allergischen Symptome auf mit Rhinokonjunktivitis, Asthma, generalisierter Urtikaria oder anaphylaktischem Schock. Die auslösenden Allergene stammen wahrscheinlich aus der Prostata, denn auch das Sperma vasektomierter Männer löst allergische Reaktionen aus. Die Allergene sind meist nicht spezifisch für ein Individuum, nur in Einzelfällen bezieht sich die Sensibilisierung auf einen bestimmten Partner.

Bei Sperma-Allergie wird zu einem Notfallset geraten

Differenzialdiagnostisch müsse an Latexallergien (Kondome), Reaktionen auf Kondombeschichtungen und gegen Gleitmittel sowie an Allergien gegen spermizide Substanzen in vaginalen Kontrazeptiva gedacht werden, so Nist. Kondomgebrauch schützt die Frauen am sichersten. Bei Kinderwunsch bleibt, besonders bei generalisierter Symptomatik, nur die intrauterine Insemination oder die In-vitro-Fertilisation.

Bei lediglich lokaler Kontakturtikaria können vor dem Geschlechtsverkehr systemische Antihistaminika eingenommen oder vier- bis achtprozentige cromoglycinhaltige Cremes verwendet werden. Bei generalisierter Symptomatik empfehlen die Allergologen für die betroffenen Frauen ein Notfallset. Dies enthält ein Antihistaminikum, ein Kortison- sowie ein Adrenalinpräparat. Eine weitere Therapieoption ist die Hyposensibilisierung.

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