Ärzte Zeitung, 06.07.2007

Mit blutenden Herzen malte sich Frida Kahlo ihre Schmerzen von der Seele

Der Geburtstag der berühmten mexikanischen Malerin jährt sich zum 100. Mal

Mit aufgeschnittenem Herzen, mit zerbrochener Wirbelsäule, bluttriefend im Krankenhausbett - so drastisch wie Frida Kahlo hat keine Künstlerin zuvor ihren eigenen Körper, ihre weibliche Anatomie und Verletzlichkeit dargestellt. Heute am 6. Juli jährt sich der Geburtstag der weltberühmten mexikanischen Malerin zum 100. Mal.

Von Klaus Brath

Als Kahlo am 13. Juli 1954 starb, war ihr Name außerhalb Mexikos fast nur eingeweihten Künstlerkollegen bekannt. Selbst in ihrem Heimatland lag die erste Einzelausstellung ihrer Werke damals gerade erst ein Jahr zurück. Heute hat sich das Bild grundlegend gewandelt - nicht zuletzt dank der Hollywood-Produktion "Frida". So avancierte Kahlos Selbstbildnis "Wurzeln" 2006 in New York mit 5,6 Millionen Dollar Verkaufserlös zum bislang teuersten Werk eines lateinamerikanischen Künstlers.

Im Film imponiert Frida Kahlo vor allem als lebenshungrige und attraktive Frau, die mit dem mexikanischen Maler Diego Rivera eine hoch ambivalente Liebesbeziehung voller Affären führte. Dabei war die Vita der in einem Vorort von Mexiko-City geborenen Tochter eines eingewanderten deutschen Fotografen und einer Mexikanerin eine einzige Krankengeschichte: Im Alter von sechs Jahren erkrankte sie vermutlich an Poliomyelitis, mit 18 Jahren erlitt sie einen schlimmen Verkehrsunfall mit schweren orthopädischen und gynäkologischen Verletzungen. 32 Operationen schlossen sich an in einer jahrelangen Odyssee durch Hospitäler Mexikos und der USA. Abtreibungen, Fehlgeburten, Alkohol- und Drogensucht, Depressionen und immer wieder Schmerzen, schließlich Amputation des rechten Fußes und das Lebensende im Rollstuhl waren die weiteren Stationen ihres physischen und psychischen Martyriums.

Frida Kahlo, die ursprünglich Ärztin werden wollte, verarbeitete ihr schweres Schicksal auf ihre Weise: in erschütternden Gemälden voller Marter, Schönheit und Poesie. Es sind vor allem die an Symbolen und Metaphern reichen Selbstbildnisse, mit denen sie sich ihren Rang in der Kunstgeschichte eroberte. Gemälde wie "Die zwei Fridas" (1939), "Die gebrochene Säule" (1944) und "Der verletzte Hirsch" (1946) gelten als Ikonen der Kunst des 20. Jahrhunderts. Nach offiziellen Berichten starb Frida Kahlo 1954 an einer Lungenembolie. Der letzte Eintrag ihres Tagebuchs lässt anderes vermuten: "Ich hoffe, nie wieder zu kommen."

Aus Anlass ihres 100. Geburtsjahres gibt es nun im Palacio de Bellas Artes in Mexiko-City unter dem Titel "Frida Kahlo 1907-2007" die bisher umfassendste Schau ihrer Werke. 2009/2010 soll sie auch im Berliner Martin-Gropius-Bau gezeigt werden.

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