Ärzte Zeitung, 18.10.2007

Als Schiffsarzt sind Beruf und Reiselust vereinbar

Seit fast 20 Jahren tourt ein Allgemeinarzt aus Bad Orb durch die Welt und begleitet Reisegesellschaften

Die Arbeit als Arzt verbinden mit Reiselust? Der Allgemeinarzt Claus Bauersfeld hat einen Weg gefunden Beruf und den Traum von Freiheit zu verbinden - als ärztlicher Reisebegleiter und Schiffsarzt.

Von Ulla Bettge

Claus Bauersfeld liebt die Freiheit bei der Arbeit und die Fortbewegung weltweit.

Foto: Ulla Bettge

Claus Bauersfeld liebt seit jeher die Freiheit - bei der Arbeit und wie auch privat. Als eine Konsequenz daraus stellte der 60-jährige Allgemeinarzt aus Bad Orb seine Kassenarztpraxis im Rhein-Main-Gebiet schon vor 20 Jahren auf eine privatärztliche Praxis um. "Die von der Kassenärztlichen Vereinigung damals in Aussicht gestellten Budgetierungen haben für mich eine Reglementierung des freien Arztberufs bedeutet. Ich wollte aber einen freien Beruf in einem freien Land", erläutert er diesen Schritt. Dieser war verbunden mit viel Neuorganisation und intensiven Arbeitszeiten. Als Ausgleich hält er sich mit abenteuerlichen Freizeitaktivitäten und Reisen fit: Basislager in 7000 Metern Höhe am Mount Everest, Tauchen auf den Malediven und im Roten Meer, Trekkingtouren am Kilimandscharo, Railway von Delhi nach Calcutta. Als begeisterter Harley-Fahrer tourt er mehrfach durch Südfrankreich und die Camargue, geht auf Jagd vor der Haustür im Spessart. "Trotz der vielen tollen Erlebnisse war ich mit Mitte 40 mit meiner Praxisarbeit schon ziemlich ausgebrannt", erzählt Bauersfeld.

Doch wie lassen sich Reisen und Arbeit weiter verbinden? Eine Antwort bahnt sich an als Bauersfeld von Consul Weltreisen hört. Der Luxusweltreisenanbieter in Verbindung mit Condor suchte zu jener Zeit gerade einen Arzt für die Betreuung seiner First Class Kundschaft auf Flügen rund um die Welt. Kurzentschlossen bewirbt sich Bauersfeld Ende der 80er Jahre und bekommt prompt den Zuschlag.

Sein neuer Alltag sieht dann zum Beispiel so aus: sechs Wochen lang tourt er um die Welt und betreut reiche Reisende, wohnt in Spitzenhotels und genießt die kulinarische Betreuung vom Lufthansa Chefkoch an Bord. Typische medizinische Einsätze in dieser Zeit sind bei der vorwiegend älteren Klientel Verspannungen durch Langstreckenflüge .

Drei Jahre lang pendelt er so zwischen seiner Praxis und dem Rest der Welt. Die Praxispatienten werden während seiner Abwesenheit von Kollegen mitbetreut. Dann nimmt sich der Globetrotter eine Auszeit vom Reisen und kümmert sich nur noch um seine Arbeit als Arzt vor Ort.

Doch das Reisefieberholt ihn abermals ein. Und so fragt er bei der Reederei Hapag-Lloyd an, ob eventuell ein Arzt auf Kreuzfahrtschiffen benötigt wird. Tatsächlich besteht Bedarf, zum Beispiel als Ersatz für erkrankte Kollegen, die normalerweise drei Monate an Bord bleiben.

Und so ist Bauersfeld seit 2002 wieder unterwegs auf großen Schiffen wie der Sea Cloud, Columbus und Bremen. Sein Ziel: "Ich versuche, zweimal im Jahr auf einem Kreuzfahrtschiff der Hapag-Lloyd Flotte zu fahren, jeweils maximal sechs Wochen." In dieser Zeit kümmert er sich um Patienten mit Frakturen nach einem Sturz, abdominalen Erkrankungen, Erkältungen und Seekrankheit. Das freie Arbeiten und die Vielfalt der Anforderungen auf einem Schiff gefallen ihm. Auch wenn die 24-Stunden-Rufbereitschaft anstrengend sei und viel Disziplin erfordere. "Es bleibt genug Zeit für das Baumelnlassen der Seele auf See."

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