Ärzte Zeitung, 18.12.2007

Vertauschte Babys kehren zu ihren Eltern zurück

Nach sechs Monaten wurde die Identität zweier Mädchen und der dazugehörigen Familien durch einen Gentest identifiziert

SAARLOUIS (ddp). Vorweihnachtliche Freude gab es vergangene Woche im Fall der vertauschten Babys in einer saarländischen Klinik. Nach intensiver Suche wurde der zweite Säugling gefunden. Die Identität beider betroffener Kinder und ihrer Eltern steht nun zweifelsfrei fest.

Ein Institut für genetische Diagnostik in Homburg Saar habe durch einen DNA-Abgleich die Identität der Babys bestätigt, sagte der Geschäftsführer der St. Elisabeth-Klinik, Franz-Josef Backes, in Saarlouis. Herausgekommen war die Verwechslung durch einen Vaterschafts-Test. Dieser war routinemäßig vom Jugendamt veranlasst worden, da die beiden Elternteile des einen vertauschten Mädchens noch minderjährig sind, wie die "Saarbrücker Zeitung" berichtete.

DNA-Tests hatten dann ergeben, dass weder der angebliche Vater noch die vermeintliche Mutter mit dem kleinen Mädchen verwandt sind. Nach diesem Ergebnis wandte sich die Geburtsklinik an die Eltern aller in der fraglichen Zeit geborenen Mädchen mit dem Angebot, über einen DNA-Test die Identität ihres Kindes festzustellen.

Neugeborenenbändchen wurden wohl beim Baden verwechselt.

Zu der Verwechslung kam es Geschäftsführer Backes zufolge vermutlich beim Umziehen oder Baden der Kinder. Zwar bekomme jedes in der Klinik geborene Kind noch im Kreißsaal ein Armband mit seinem Namen. Da Kinder in den ersten Tagen nach der Geburt in der Regel aber zunächst einmal etwas Gewicht verlören, könne es passieren, dass das Band beim Baden oder Umziehen abgestreift werde.

Dies sei bei den beiden Mädchen, die vor etwa einem halben Jahr im Abstand von nur einem Tag geboren worden seien, offenbar gleichzeitig geschehen und die Armbänder anschließend falsch zugeordnet worden. Um so etwas in Zukunft ausschließen zu können, bekommen die Neugeborenen in der Klinik den Angaben zufolge künftig ein Bändchen an den Arm und eines an den Fuß. Außerdem werde der Babypass, der auch ein Foto enthalte, künftig doppelt ausgestellt. Ein Exemplar erhalte die Mutter, das andere werde am Bettchen des Kindes befestigt. Den Faktor Mensch könne man dabei aber nie ganz ausschließen, sagte Backes.

Das zweite betroffene Elternpaar war vergangene Woche durch einen Psychologen benachrichtigt worden. Wie und wann ein Austausch erfolge, ist noch nicht klar. Alles soll aber so behutsam wie möglich unter psychologischer Betreuung und mit Begleitung des Jugendamtes geschehen.

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