Ärzte Zeitung, 18.01.2008

FÜR SIE GESEHEN: "HART ABER FAIR"

Wie kann der Patient Krankenhaus genesen?

BERLIN (ble). Ausgepresste Ärzte und Pfleger, allein gelassene Patienten, eine fehlende Fehlerkultur: Mit dem "Patienten Krankenhaus" fasste der ARD-Polittalk "hart aber fair" am Mittwochabend einmal mehr ein heißes Eisen an. Heraus kam ein düsteres Lagebild der bundesweit 2100 Kliniken.

Gesprächspartner von Moderator Frank Plasberg diesmal: Klaus Theo Schröder, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, der Regisseur Dieter Wedel, Westfalen-Lippes Ärztekammerpräsident und Chefarzt Theodor Windhorst, der Journalist, Buchautor und ehemalige Assistenzarzt Werner Bartens und Jürgen Bovelet, Geschäftsführer der Vivantes-Kliniken.

Den schwierigsten Job in der Runde hatte mit Schröder zweifellos der Vertreter der Bundesregierung. Zum einen, weil Moderator Plasberg knallhart an seiner Linie festhielt, auf Fragen auch Antworten zu erhalten. Zum anderen, weil auf Schröder die Kritik und Forderungen gleich aller Diskussionsteilnehmer einstürzten. Da konnte auch sein Eingangsstatement, dass die Krankenhausausgaben in den vergangenen Jahren um vier Milliarden Euro auf 50 Milliarden Euro gestiegen seien und es nicht am Geld fehle, nicht für versöhnliche Töne sorgen.

"Die Pfleger bewegen sich an der Kante des Leistbaren."

Dennoch forderte der Vivantes-Geschäftsführer Bovelet eine neue Finanzierungsbasis der Krankenhäuser, um einen Versorgungskollaps zu verhindern. "Tatsache ist, dass die Krankenschwestern und Krankenpfleger im Augenblick an der Kante dessen sind, was leistbar ist, von der Menge der Arbeit, von der Belastung der Arbeit." Inzwischen sei der Punkt erreicht, an dem Effizienzsteigerungen im Krankenhausbereich durch das Personal nicht mehr weiter möglich seien, sagte Bovelet.

Unterstützung erhielt er dabei von Windhorst: "Wir stehen mit dem Rücken an der Wand mit den Krankenhäusern." So betrage der Investitionsstau an den Kliniken mittlerweile 50 Milliarden Euro, zudem fehle es an genügend Pflegepersonal. Die Politiker steuerten das "Schiff Krankenhaus" in die falsche Richtung. Notwendig sei eine "Entökonomisierung" in den Kliniken. Vorrang müsse die Gesundheit haben.

Starregisseur Wedel warf den Politikern vor, den Bürgern auf der einen Seite eine Vollversorgung zu versprechen, auf der anderen Seite den Kliniken nicht ausreichend Geld zur Verfügung zu stellen. "Dann ist es doch klar, dass der Druck auf die Ärzte, profitabel zu arbeiten, immer stärker wird." An den Kliniken herrsche ein Klima der Angst, dass es kaum möglich mache, Fehler einzugestehen.

Angesichts der fulminant vorgetragenen Kritik der anderen Gesprächspartner blieb dem Buchautor Bartens ("Das Ärztehasserbuch") wie Schröder nur eine Nebenrolle. Der Journalist kritisierte eine Medizin, die technokratisch sei und nicht mehr Kranke, sondern Krankheiten behandele. Zudem komme es zu Über- und Fehlversorgung und dem Versuch, teure Krankheiten abzuwehren.

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