Ärzte Zeitung, 02.04.2008

Diätpillen und Reizwäsche für "Bimbo-Dollars"

Online-Spiel zieht tausende Mädchen in seinen Bann / Ärzte warnen vor dem Spiel mit dem Schlankheitswahn

FRANKFURT/MAIN (Smi). Sie kaufen Diätpillen oder probieren Reizwäsche aus, selbst Brustvergrößerungen sind im Angebot, wenn sich Mädchen im Internetportal "Miss Bimbo" einloggen.

Britische Eltern und Gesundheitsexperten sind entsetzt über die steigende Beliebtheit dieses Online-Spiels, für das sich in Großbritannien innerhalb eines Monats bereits 200 000 Kinder und Jugendliche haben registrieren lassen - die Jüngsten darunter gerade einmal neun Jahre alt!

Die virtuelle Welt in "Miss Bimbo" funktioniert ähnlich wie in der bekannten Online-Traumwelt "Second Life". Die Mädchen - Zielgruppe sind die Neun- bis 16-Jährigen - können sich kostenlos registrieren und erhalten danach eine virtuelle Spielfigur, einen so genannten Avatar. Nun kommt Geld ins Spiel: Wer sein virtuelles Ich aufpeppen möchte - etwa durch Designer-Kleidung, Face-Liftings, Schlankheitspillen oder Brustvergrößerungen - braucht dazu "Bimbo-Dollars", die man mit echtem Geld erwerben oder sich im Spiel verdienen kann. Ziel ist es, die Schönste und Begehrteste zu sein unter allen "Tussis", denn nichts anderes bedeutet "Miss Bimbo".

"Beat", eine Vereinigung zur Unterstützung von Menschen mit Essstörungen, warnt einem Bericht des Nachrichtensenders BBC zufolge davor, dass Mädchen durch das Spiel zum Schlankheitswahn erzogen werden. Dee Dawson, Medizinischer Direktor der auf die Behandlung von Essgestörten spezialisierten Rhodes Farm Clinic, stößt ins selbe Horn: "Das ist so gefährlich wie die Pro-Anorexia-Websites", sagte er im Gespräch mit "TimesOnline". "Bei vielen Kindern wird die extrem schädigende und entsetzliche Botschaft des Spiels ankommen."

Dagegen führt der Franzose Nicholas Jacquart, Betreiber des Online-Portals, an, "Miss Bimbo" bilde nur die Realität ab und transportiere die Botschaft, dass Diätpillen krank machen. Außerdem könnten sich Mädchen unter 13 nur mit Einwilligung ihrer Eltern registrieren lassen. Allein in Frankreich haben sich bislang 1,2 Millionen Spielerinnen registriert.

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