Ärzte Zeitung, 09.04.2008

Prävention braucht prominente Vorbilder

Über 300 Gäste beim Felix-Burda-Award in Berlin / Stiftung startet neue Kampagne "I feel good"

BERLIN (HL). Warum sind Männer Muffel bei der Krankheitsfrüherkennung? Was tun Schüler für ihre Lehrer, damit sie gesundheitsbewusstes lehren? Wie kann mit einem Labortest frühzeitig ein familiär bedingtes Darmkrebsrisiko frühzeitig festgestellt werden?

 Prävention braucht prominente Vorbilder

"I feel good": Moderatorin Sandra Maischberger und Boxprofi Wladimir Klitschko werben für mehr Prävention.

Foto: dpa

Dass es auf diese Fragen Antworten gibt, ist einem Wettbewerb zu verdanken, den Dr. Christa Maar und die Felix-Burda-Stiftung initiiert haben. Als Anreiz dazu wird einmal im Jahr seit 2003 der Felix-Burda-Award verliehen - jetzt zum sechsten Mal am Sonntagabend bei einer Gala im Berliner Adlon-Hotel. Mit dabei waren über 300 Gäste - Sandra Maischberger moderierte die Veranstaltung.

"Darmkrebs muss niemand bekommen - er ist durch Früherkennung vermeidbar." Ihr eigenes Schicksal, den frühen Tod ihres Sohnes, nahm die Verlegergattin Dr. Christa Maar zum Anlass, mit der Felix-Burda-Stiftung eine Kampagne zu initiieren, mit der Früherkennungsprogramme durchgesetzt und propagiert werden. Der Erfolg: Für Menschen ab 50 Jahren übernehmen die Kassen die Kosten der Früherkennungsuntersuchungen. Die Mortalität sinkt. Die Erfolge könnten noch größer sein, so Maar, wenn mehr Menschen, vor allem Männer, die Präventionsmöglichkeiten nutzen würden und wenn für familiär belastete Menschen systematische und bessere Früherkennungsprogramme zur Verfügung stünden.

Damit dies Realität wird, hat die Felix-Burda-Stiftung einen Wettbewerb organisiert, dessen beste Ergebnisse in Berlin mit dem Felix-Burda-Award gewürdigt worden sind (wir berichteten kurz). "Eine Grundsteinlegung in der Darmkrebsprävention", so Gaby Mikotta, Chefredakteurin von "Focus Schule", schafften Verena Günther und ihre Mitschülerinnen vom Gymnasium in Sonneberg (Thüringen). Vor dem Hintergrund einer Krebserkrankung in der eigenen Familie entstand zunächst eine Seminararbeit - und dann schließlich ein Unterrichtsprogramm für Biologielehrer.

Ein innovatives Präventionsprogramm hat der Betriebsarzt Dr. Daniel Mauss im EADS-Werk Augsburg entwickelt. Er verband die Darmkrebsfrüherkennung mit einem Check auf KHK und Diabetes - aufgrund dieser Kombination wurde eine Teilnehmerquote von 60 Prozent der Mitarbeiter erreicht. Das europäische Luft- und Raumfahrtunternehmen will dieses Programm nun allen 120 000 Mitarbeitern zugänglich machen.

Die Privatdozentin Dr. Gisela Walgenbach Brünagel von der Uni Bonn entwickelte einen Marker, mit dem sehr frühe Darmkrebsstadien entdeckt werden können. Ein in absehbarer Zeit wahrscheinlich anwendbarer Test, der für Menschen mit familiärer Darmkrebsbelastung eine frühe Therapie und Heilung möglich machen würde. Die Medizinpsychologin Professor Monika Siewerding von der Universität Heidelberg ging der Frage nach, warum Männer bei der Vorsorge Muffel sind. Ihre Analysen können einen Beitrag dazu leisten, Präventionskampagnen künftig effektiver zu gestalten.

Prävention braucht Aufklärung und Vorbilder: Darum gibt es auch einen Preis für Journalisten - er ging an Alexandra von Knobloch von der "Apotheken-Umschau" - und einen Preis für Prominente; der Star dieses Jahres ist - wie bereits berichtet - der Boxprofi Wladimir Klitschko.

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