Ärzte Zeitung, 13.10.2008

Neue Bücher

Von Muttersöhnchen und toten Hosen

Was sie eint, ist die Lust am Schreiben. Zur Frankfurter Buchmessse, die am Mittwoch beginnt, stellen wir vier literarische Werke von Ärzten vor.

Von Pete Smith

Ärzte haben eine besondere Affinität zur Literatur, viele von ihnen schreiben selbst. Da die wenigsten Benn, Döblin oder Schnitzler heißen, bleiben die meisten Werke schreibender Kollegen unbekannt. An dieser Stelle sollen vier Bücher von deutschen Ärzten vorgestellt werden, die thematisch sehr unterschiedlich sind, die jedoch eines eint: die Lust am Schreiben und Fabulieren.

Der Allgemeinarzt Walter Raaflaub aus Schönried erkrankte 2002 an einem Prostatakarzinom. Seit seiner Operation und der darauf folgenden Rekonvaleszenz geht es ihm zwar heute wieder gut, er ist inzwischen aber impotent. Unter dem Titel "Tote Hose - Worüber Männer schweigen" hat der Arzt, der zum Patienten wurde, nun ein sehr intimes Tagebuch publiziert, in dem er den Krankheitsverlauf dokumentiert und sein Leben danach beschreibt. Frustration, Angst, Verletzbarkeit - nichts wird hier ausgespart.

Doch bei allem scheint stets der spezielle Humor durch, den sich Raaflaub trotz aller Rückschläge immer bewahrt hat. Sein Fazit: Auch ohne Sex im gewöhnlichen Sinn kann ein impotenter Mann mit seiner Partnerin eine befriedigende Intimität erleben.

Autobiographisch ist auch Tom Johnstons Buch "Das muss so!", das im Untertitel ironisch als "Erinnerungen eines Muttersöhnchen" charakterisiert wird. Der Allgemeinmediziner Dr. Thomas Johnston aus Borken in Westfalen beschreibt, wie er Antworten auf viele Fragen des Lebens gefunden hat: warum alte Frauen Kinderwangen kneifen, warum sich Eltern scheiden lassen und ob Australien schöner ist als Deutschland. Das ist augenzwinkernd und flott erzählt. Kein Wunder, hat der Autor laut eigener Aussage für die Niederschrift seines Buchs doch weniger als ein halbes Jahr gebraucht.

Einen Krimi legt der Kölner Allgemeinmediziner Dr. Adalbert Pohl vor. "Innermösers Reise" erzählt die Geschichte eines jungen Staatsanwalts, der nach der Ermordung eines Juweliers zur Zeugenbefragung nach Afrika reist. Der Juwelier war von afrikanischen Händlern mit Rohdiamanten beliefert worden. In deren Heimat angekommen, muss der Kölner Jurist jedoch auf schmerzhafte Weise erfahren, dass sein Fall auch eine politische Dimension hat. Pohls Kriminalroman ist als book on demand in der edition octopus erschienen.

Die Merseburger Ärztin Birgit Gerlach schließlich hat unter ihrem Pseudonym Felicitas Gerlin ein kleines Büchlein mit acht Kurzgeschichten verfasst: "Neudeutsche tierische Geschichten". Darin werden zwar Erlebnisse von Hühnern, Biber, Pfau und Schakal erzählt, aber eigentlich geht es um unsere Gesellschaft und deren Missstände, die die Autorin auf märchenhafte Weise ins Licht rückt, ohne allzu belehrend zu sein. Dass dabei auch das Gesundheitswesen nicht zu kurz kommt, versteht sich von selbst.

Frankfurt im Zeichen der Buchmesse

Die 60. Frankfurter Buchmesse (15. bis 19. Oktober) erwartet wie im Vorjahr über 7000 Aussteller aus mehr als 100 Ländern sowie etwa 1000 Autoren.

Mit der Türkei gibt es außerdem ein attraktives Gastland: Die Lage in der konjunktursensiblen Branche ist derzeit bei weitem nicht mehr so rosig wie im Vorjahr. Doch die weltgrößte Bücherschau hat sich inzwischen zu einer Plattform für eine Vielzahl von Produkten gemausert. Schon jetzt macht unter den 400 000 ausgestellten Titeln das traditionelle Buch nur noch 42 Prozent aus, die digitalen Medien kommen inzwischen auf rund 30 Prozent.

Bei der Ausstellerzahl liegt Deutschland mit rund 3300 Anbietern an der Spitze. Dahinter kommen Großbritannien und die USA. Neben Großbritannien werden vor allem bei Ländern aus Osteuropa Zuwächse bei der angemieteten Fläche gemeldet. Insgesamt hat die Messe eine Fläche von 172 000 Quadratmetern vermietet.

Die Türkei erhofft sich von dem Auftritt als Gastland einen weiteren Schub auf ihrem Weg in die Europäische Union. Rund 250 Schriftsteller schickt das Land nach Frankfurt. Das Thema Toleranz und Vielfalt wollen die türkischen Organisatoren dabei groß schreiben.

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