Ärzte Zeitung, 13.05.2008

Beratungsstelle in Berlin kümmert sich um Stalker

Psychologische Hilfe für die Täter / Polizisten machen Werbung für das Projekt

BERLIN (dpa). Der Psychologe Wolf Ortiz-Müller ist Leiter der Beratungsstelle für Stalker in Berlin. Mit "Stop-Stalking" betritt das Team um den Psychologen Neuland - denn ein Projekt für Täter, die nicht aufhören können, andere zu belästigen, gab es bislang nicht.

 Beratungsstelle in Berlin kümmert sich um Stalker

"Stop-Stalking": Wolf Ortiz-Müller ist der Chef der bundesweit ersten Beratungsstelle für Stalker.

Foto: dpa

"Wir verstehen es auch als Opferschutz, wenn wir an die Täter rankommen", sagt der 46-Jährige, der mit vier weiteren Experten helfen will. Außer dem seit einem Jahr geltenden Strafrechtsparagrafen 238 würden Konzepte gebraucht, wie Stalker von "ihrer dunklen Seite" loskommen können. Solche Perspektiven sollen in dem Beratungsraum in einem Mietshaus am S-Bahnhof Steglitz entwickelt werden.

Der Begriff "Stalking" kommt aus dem Englischen und bedeutet Anschleichen. Der neue Paragraf sieht bis zu drei Jahre Haft vor, bei schweren Folgen bis hin zum Tod drohen zehn Jahre. Bis Ende 2007 waren bundesweit schon mehrere tausend Verfahren eingeleitet worden.

Das Projekt gehört zum Berliner Krisen- und Beratungsdienst. Der Verein, der psychosoziale Hilfen anbietet, bekommt Finanzmittel aus Bußgeldern und ist auf Spenden angewiesen. "Senatsgelder bekommen wir bislang nicht", sagt Ortiz-Müller. Er verweist aber auf die gute Kooperation mit der Polizei bei der Vorbereitung. Beamte in den Wachen sollen mit Flyern auf "Stop-Stalking" hinweisen.

Auch Polizeipräsident Dieter Glietsch ist voll des Lobes. Nun werde denen geholfen, die das Stalken nicht allein beenden könnten. Denn viele schreckten nicht davor zurück, ihre Opfer auch körperlich anzugreifen. "Mit dieser Tätergruppe sind wir im polizeilichen Alltag zunehmend konfrontiert."

Er gehe von einem großen Hilfsbedarf bei Stalkern aus, sagt Ortiz-Müller. Allein in Berlin seien im Vorjahr mehr als 1000 Stalking-Anzeigen erstattet worden, mehr als 100 Anklagen seien anhängig. Jetzt beginnt in Berlin ein Prozess gegen einen Mann, der seine frühere Lebensgefährtin nicht nur mit SMS bombardiert, sondern ihr auch Salzsäure ins Auto gegossen haben soll. Stalker nähmen die Wirklichkeit verzerrt wahr, sagt der Experte. Da werde dann aus dem unverbindlichen Lächeln der Nachbarin ein Liebesbeweis.

Stalker, die sich direkt an die Beratungsstelle wenden, können beim ersten Kontakt anonym bleiben. Dann wird es aber konkret: mit einem schriftlichen Konzept und bis zu 15 Gesprächen.

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