Ärzte Zeitung, 30.07.2008

Keine China-Tour ohne Reiseapotheke!

Viele Regionen Chinas sind extrem unterentwickelt / Centrum für Reisemedizin gibt Hinweise für Urlauber

Von Wolfgang Geissel

In Schlagweite von Peking: Chinesische Mauer bei Badalin. Viele Touristen drängt es aber weiter in den Westen - und damit wachsen Gesundheitsrisiken

Foto: imago-

China bietet viele Reisemöglichkeiten. Die viele tausend Jahre alte Kultur sowie grandiose Landschaften mit den höchsten Bergen der Welt in Tibet sowie Wüsten mit der Seidenstraße im Westen ziehen immer mehr Touristen an. Gruppen- und auch Individualreisen sind heute in großen Teilen des Landes möglich. Anders als die modernen Millionenstädte im Osten sind die westlichen zwei Drittel des Landes extrem unterentwickelt.

Das Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf beschreibt die medizinische Versorgung inklusive der Hygienestandards als "extrem einfach bis schlicht nicht existent". Hinzu kommt, dass Ärzte dort meist nur chinesisch sprechen und westliche Medikamente und Impfstoffe oft nicht zu bekommen sind. Patienten in einer Klinik müssen zudem üblicherweise von Angehörigen mitversorgt werden.

Resieapotheke dringend erforderlich

Bei Reisen ins Landesinnere unter einfachen Bedingungen ist daher eine optimale Gesundheitsprophylaxe zu empfehlen. "Wichtig ist eine Reiseapotheke, mit der man eine gewisse Zeit ohne medizinische Versorgung auskommt", sagt der Reisemediziner Dr. Ulrich Klinsing aus Frankfurt am Main.

Sie sollte mindestens Durchfall-, Fieber- und Schmerzmittel sowie Verbandstoff, Pflaster und Wunddesinfektion enthalten, außerdem die Präparate, die der Reisende ständig nehmen muss. Treten gravierende medizinische Probleme auf, müssen Patienten meist so schnell wie möglich ausgeflogen werden. Eine gute Reisekrankenversicherung ist daher unbedingt anzuraten.

Reisende sollten natürlich die in Deutschland empfohlenen Standardimpfungen haben. Zusätzlich ist der Schutz gegen Hepatitis A und B sowie gegen Typhus zu empfehlen. Die Tollwutrate in China ist zudem hoch. "Da im Landesinneren überall mit streunenden Hunden zu rechnen ist, sollte auch der Tollwutschutz erwogen werden", betont Klinsing.

Ist ein sehr enger Kontakt zur ländlichen Bevölkerung absehbar, dann kann auch eine Impfung gegen das von Mücken übertragene Japanische-Enzephalitis-Virus (JEV) sinnvoll sein. Die Impfstoffe sind in Deutschland nicht zugelassen und müssen über eine internationale Apotheke bezogen werden.

Mückenschutz ist im Süden Chinas vor allem auch wegen des Risikos für Dengue-Fieber und Malaria wichtig. Hoch ist die Malaria-Gefahr in den Grenzregionen zu Vietnam, Laos und Myanmar (ehemals Burma) sowie auf der Insel Hainan. Dort wird eine Chemoprophylaxe empfohlen, und zwar mit Mefloquin, der Kombination Atovaquon/Proguanil oder Doxycyclin. Bei Aufenthalten in der Touristenregion um Guilin ist wegen des mittelhohen Malaria-Risikos die Mitgabe einer Stand-by-Prophylaxe anzuraten. Geeignet sind Mefloquin, Atovaquon/Proguanil oder auch die Kombination Arthemeter/Lumefantrin.

In Tibet droht Höhenkrankheit

Reisende nach Tibet sollten unbedingt über die Höhenkrankheit aufgeklärt werden. Eine akute Bergkrankheit (AMS) mit Kopfweh, Schwindel, deutlicher Schwäche und psychischen Störungen (vernunftwidriges Verhalten!) kriegt fast jeder dritte Wanderer in Höhen über 2500 Meter. Dauert die körperliche Belastung unter Beschwerden an, droht ein lebensgefährliches Höhenlungen- oder Höhenhirnödem.

Auf Wander- und Klettertouren wird daher bei AMS ein sofortiger Abstieg empfohlen. Das ist aber bei Reisen per Bahn oder Flugzeug in das über 3600 Meter hoch gelegene Lhasa nicht möglich. "Reisende mit AMS sollten dort so schnell wie möglich einen Arzt oder eine Klinik aufsuchen", rät Klinsing. Dort können sie sich mit Sauerstoff behandeln lassen.

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