Ärzte Zeitung, 05.09.2008

"Die schlimmsten Fluten seit über 50 Jahren"

Nach schwerer Flutkatastrophe wächst in Indien und Nepal die Seuchengefahr / Auch deutsche Helfer sind im Einsatz

FRANKFURT/MAIN (Smi). Tausende Menschen sind ertrunken, Millionen auf der Flucht, die Gefahr einer Ausbreitung von Seuchen wächst: Die Folgen der schweren Flutkatastrophe in Indien und Nepal sind dramatisch. Die internationale Hilfe ist angelaufen, auch deutsche Organisationen sind vor Ort.

Am schwersten betroffen ist der indische Bundesstaat Bihar. Die Hilfsorganisation Care spricht gar von den schlimmsten Fluten seit über 50 Jahren in dieser Region. Care leistet medizinische Hilfe, unter anderem durch die Bereitstellung mobiler Einsatzkräfte. Dorfbewohner werden evakuiert, Hilfeteams verteilen Lebensmittel und Bedarfsgüter von Booten aus, da die meisten Straßen nach wochenlangen Regenfällen nicht mehr zugänglich sind. Zudem errichtet die Organisation Trinkwasserstellen, um die Seuchengefahr einzudämmen, denn das Flusswasser ist durch darin schwimmende Leichen und Fäkalien verseucht.

Viele alte Menschen sind in große Not geraten.

Laut Angaben der deutschen Kindernothilfe ist der Kosi-Fluss in Bihar in Folge des Monsunregens und eines Dammbruchs in Nepal streckenweise auf 13 Kilometer Breite angeschwollen. Etwa vier Millionen Menschen seien direkt von der Flutkatastrophe betroffen. Dramatisch sei die Lage in den indischen Bezirken Madhepura, Araria, Katihar und Supaul.

Hier ist die Bevölkerung auf Notquartiere angewiesen. Dörfer und Felder stehen unter Wasser und sind zu großen Teilen verwüstet, so dass eine sofortige Rückkehr nach Ablaufen des Wassers ausgeschlossen ist. In den betroffenen Regionen mangelt es vor allem an Nahrungsmitteln und Trinkwasser. Für die jüngsten Opfer der Katastrophe hat die Kindernothilfe daher eine Soforthilfe in Höhe von 50 000 Euro bereitgestellt.

Einen anderen Schwerpunkt setzt die Hilfsorganisation HelpAge. "Etwa 180 000 alte Menschen sind von der Katastrophe betroffen", sagte Heywood Hadfield, Nothilfekoordinator des internationalen Netzes. "Sie sind oftmals nicht mehr mobil und können nicht vor den steigenden Wassermassen fliehen." Hadfield ist in die Krisenregion gereist, um die Hilfe zu koordinieren. Mit Hilfe von Freiwilligen aus ganz Indien evakuiere man die Dorfbewohner und versorge die alten Menschen mit Medikamenten. Auch Oxfam hat Helfer entsandt. Derzeit würden etwa 20 000 Familien mit Trinkwasser, Zelten und Hygieneartikeln versorgt, so Geschäftsführer Paul Bendix.

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