Ärzte Zeitung, 09.01.2009

Wenn 17-Jährige mit Clowns spielen sollen

Stiftung setzt sich für den Bau einer Krebsstation für Jugendliche ein / Abrechnung könnte Probleme bereiten

HANNOVER (cben). Thorben Müller wäre jetzt erwachsen - doch wenige Monate vor seinem 18. Geburtstag starb er in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) an Krebs. Seine Eltern haben die "Thorben Müller-Jugendkrebsstiftung" ins Leben gerufen.

Thorbens Eltern sind sich sicher: "Wenn es eine spezielle Krebsstation für Jugendliche gegeben hätte, hätte unser Sohn vielleicht eine bessere Chance gehabt", meint Thorbens Mutter Sabine Kreutzfeld-Müller. Denn Heranwachsende fühlen sich nicht immer Wohl auf der Krebsstation.

"Für ein Unterhaltungsprogramm auf Kinderstationen mit Clowns sind sie zu alt, bei den Erwachsenen mit einem krebskranken 80-Jährigen im Nachbarbett zu jung", sagt MHH-Kinderonkologe Professor Karl Welte. Die Heranwachsenden haben eine andere Intimsphäre, sie brauchen eigentlich eigene sanitäre Einrichtungen. Die Stiftung will den Bau einer solchen Station ermöglichen. Dem Tod des damals 17-jährigen Jungen aus Hannover gingen dramatische Ereignisse voraus.

Eigentlich war er wegen eines eingewachsenen Zehennagels in der MHH behandelt worden, im Laufe der Behandlung wurde eine Gerinnungsstörung festgestellt und schließlich ein Rhabdomyosarkom, Stadium vier. "Thorben hatte eine Chance von zehn bis 20 Prozent", erklärt Welte, "aber er wurde ab einem bestimmten Punkt der Behandlung unglaublich aggressiv." Der Jugendliche beschimpfte Eltern, Ärzte, Schwestern und Pfleger und ließ keine Behandlung zu.

Problem einer Jugendstation bleibt die Abrechnung, sagt Welte. "Ich darf keine Erwachsenen behandeln und die internistischen Kollegen keine Kinder. Ein Konstrukt dafür haben wir noch nicht." Ähnliche Versuche, eine Jugendstation für diese "vergessene Gruppe" der krebs- und leukämiekranken Jugendlichen aufzubauen, gibt es an der Universitäts-Klinik Frankfurt.

Topics
Schlagworte
Panorama (30506)
Organisationen
MHH (732)
Krankheiten
Krebs (5013)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

Das war der Ärztetag 2017 in Bildern

Das war er nun, der 120 Ärztetag in Freiburg. Unsere Bildergalerie zeigt die schönsten, spannendsten Momente des viertägigen Kongresses. mehr »

Grünes Licht für GOÄ-Reformprozess

Der Deutsche Ärztetag hat den Verhandlungsführern für die GOÄ-Reform am Donnerstagabend grünes Licht für den weiteren Novellierungsprozess gegeben. mehr »