Ärzte Zeitung, 27.11.2008

Blogger merken, wenn "Dr. House" in der Klinik pfuscht

Die Krankenhausserie wird von einem Allgemeinmediziner in den USA im Internet akribisch auf medizinische Ungereimtheiten überprüft

KÖLN (caw). Die Krankenschwestern streiken, und der Patient wartet seit Stunden in der Notaufnahme. Trotzdem ist er nett - zu nett, findet der misanthropische Arzt "Dr. House" in der gleichnamigen US-Krankenhausserie.

Blogger merken, wenn "Dr. House" in der Klinik pfuscht

Ein Ekel und ein guter Arzt: Hugh Laurie als "Dr. House".

Foto: RTL

Für ihn steht fest, dass die dauerhafte Freundlichkeit des Patienten ein Symptom des Williams-Beuren-Syndroms oder der Neurosyphilis ist. Das sehen seine Kollegen anders. Wer recht hat, bleibt auch nach der richtigen Diagnose Chagas-Krankheit offen.

Dem US-amerikanischen Allgemeinmediziner und Kritiker Scott Morrison gefällt so ein Szenario. In seinem englischsprachigen Medizin-Blog schreibt der Arzt aus Illinois jede Woche über "Dr. House". Mediziner Gregory House (gespielt von Hugh Laurie) ist ein Ekel und schickt sein handverlesenes Ärzte-Team schon mal zur illegalen Spurensuche in die Wohnungen der Patienten.

Mit seinen fragwürdigen Detektiv-Methoden löst er aber die schwierigsten medizinischen Rätsel. Detektiv spielt nicht nur House gerne, sondern auch Morrison. In seinen Rezensionen untersucht er jede Folge auf Fehler, die House und sein Ärzteteam machen. Er erklärt auch für Laien verständlich, wie plausibel der aktuelle Fall war, und bewertet ihn mit Schulnoten in den Kategorien Rätsel, Lösung, Medizin und Seifenoper.

"Ich bin immer wieder verblüfft, wenn den Drehbuchautoren große medizinische Anfängerfehler passieren", sagt Morrison. In der Folge "Kratzer im Lack" fällt den Ärzten viel zu spät auf, dass die Patientin ein Mann ist und Hodenkrebs hat. Dabei hatte Onkologe James Wilson (Robert Sean Leonard) in Ultraschallaufnahmen des Beckens der Patientin nach Tumoren an den Eierstöcken gesucht.

Medizinische Rezensionen schreibt Morrison schon seit einigen Jahren. Angefangen hat er mit Superhelden-Comics, in denen ihm immer wieder haarsträubende Fehler auffallen. So ist es Ärzten in einem Batman-Heft möglich, Chorea Huntington als große dunkle Punkte in einer Röntgenaufnahme des Gehirns zu erkennen.

Morrisons Seite über Dr. House wird inzwischen sehr gut besucht. "An Tagen, an denen House im Fernsehen läuft, habe ich enorme Besucherzahlen", sagt Morrison. Pro Folge diskutieren seine Leser in etwa hundert Kommentaren über den Fall. Von Schreibern der Serie hat Morrison noch keine Reaktion bekommen.

Morrisons Rezensionen zu allen Folgen von Dr. House sind gesammelt auf www.politedissent.com/house_pd.html

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