Ärzte Zeitung, 17.12.2008

"Ungewaschen und mit beschmutzter Wäsche"

Umfrage einer Zeitschrift enthüllt Unausgesprochenes über Patienten und deren Auftreten in der Praxis

FRANKFURT/MAIN (Smi). Sie drängeln, jammern, lügen und stinken - einige Patienten nerven gewaltig, aber welcher Arzt würde das schon öffentlich kundtun? Das Magazin "Reader's Digest" hat nun Dutzenden von Kollegen die Möglichkeit gegeben, ihrem Ärger Luft zu machen.

"Die Geduld verliere ich bei den Jammerern, die jeden zweiten Tag in der Praxis stehen - wegen nichts", beschwert sich ein Urologe, der lieber unerkannt bleiben möchte. "Wenn ich merke, dass mir gleich der Kragen platzt, gehe ich erst mal einen Kaffee trinken." Ein Allgemeinmediziner aus dem Ruhrgebiet ergänzt: "Jammerheinis können einem den letzten Nerv rauben, weil sie nie fertig werden. Wenn du glaubst, jetzt haben sie ihre Litanei durch, fallen denen noch mal zehn Sachen ein."

Ein Ärgernis sind Patienten, die Notfälle vortäuschen.

"Ich würde mir wünschen, dass sich die Patienten einfach öfter die Zähne putzen", klagt eine Augenärztin aus München. "Oft ist es sehr unappetitlich, was einem da entgegenweht." Eine Zahnärztin aus Karlsruhe gibt ihrer Kollegin uneingeschränkt recht: "Da hilft dann nur noch den Mundschutz enger schnüren und das Fenster aufmachen." Und ein Internist aus Oberschwaben meint: "So mancher kommt ungewaschen und mit beschmutzter Wäsche - und das nicht etwa bei einem Notfall, sondern zu einem vereinbarten Termin."

"Es nervt mich, wenn Eltern als Impfverweigerer das Leben und die Gesundheit ihrer Kinder gefährden und sich dann als Krönung auch noch moralische Rückendeckung beim Heilpraktiker holen", beschwert sich ein Allgemeinmediziner aus Obersulm. Für einen Internisten aus Fellbach stellen vor allem jene Klienten ein Ärgernis dar, die Notfälle vortäuschen: "Ein Patient hat einmal als angeblicher Notfall eine komplette Herzdiagnostik erzwungen. Vom Hausarzt erfuhren wir später, dass er abends erstmals Viagra einnehmen wollte."

Lügen sind in der Praxis im Übrigen keineswegs ungewöhnlich. Einer repräsentativen Umfrage von "Reader's Digest" zufolge glauben 66 Prozent aller Ärzte, dass Patienten auf Fragen nach ihren Lebensgewohnheiten wie Essgewohnheiten, Alkoholkonsum, Rauchen oder Sport unehrlich antworten.

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