Ärzte Zeitung, 19.03.2009

Hilft wirklich nur noch PID?

ARD-Spielfilm "Die Drachen besiegen" zeigt das Leiden der leukämiekranken Anna

HAMBURG (dpa). Trotzig steht die krebskranke Anna zu ihrer Krankheit: Der ARD-Spielfilm "Die Drachen besiegen" am heutigen Donnerstag um 20.15 Uhr thematisiert die Suche nach einem Knochenmarksspender - notfalls auch mit der in Deutschland verbotenen Präimplantationsdiagnostik.

Bleiben optimistisch: die Eltern Sabine (Gabriela Maria Schmeide, l.) und Martin (Michael Fitz) zusammen mit Tochter Anna (Amelie Kiefer).

Foto: BR/Erika Hauri

Schauspielerin Amelie Kiefer stand vor dem Spiegel, rasierte sich die Haare ab und hatte ihren Spaß: "Alle waren an diesem Drehtag unglaublich nett und rücksichtsvoll zu mir! Obwohl mir das selbst gar nicht so viel ausmachte." Die Szene selbst war weniger spaßig: Mit dieser Geste bekennt sich eine Krebskranke trotzig zu ihrer Krankheit. Sie will kein billiges Mitleid, ist kein sanftes Opferlamm, sondern eine lebenslustige junge Frau, die raus will aus dem heimatlichen Dorf, um draußen in der Welt eine schöne Karriere als Musikerin zu machen.

Amelie Kiefer, 21 Jahre alt, spielt diese Anna in dem von Franziska Buch nach einem Skript von Rodica Döhnert inszenierten Film. Die Thematik ist ebenso heikel wie aktuell: Zur Rettung der an Leukämie erkrankten Anna braucht man eine Knochenmarkspende, aber keiner der bisherigen möglichen Spender kommt infrage.

PID in Deutschland verboten

Zugleich bietet sich eine andere Methode: die Präimplantationsdiagnostik (PID). Aus Spanien und England wurden erste Erfolge dieser Methode gemeldet. Im vergangenen Jahr wurde in Spanien ein Kind geboren, das als Knochenmarkspender für seinen kranken Bruder geeignet ist. In England wählten die Eltern aus elf künstlich gezeugten Embryonen den einen aus, dem das Brustkrebsgen fehlt. Das Kind wurde Anfang dieses Jahres geboren (wir berichteten).

In Deutschland ist dieses Verfahren verboten und speziell die katholische Kirche lehnt es strikt ab. So entsteht ein großer Konflikt für Annas Eltern, die im erzkatholischen oberbayerischen Milieu einen kleinen, schlecht gehenden Gasthof betreiben. Die Mutter ist sofort zur künstlichen Befruchtung bereit und ihre Darstellerin Gabriela Maria Schmeide findet das richtig so: "Eine Mutter lässt sich doch selbst mit dem Teufel ein, wenn es darum geht, ihr krankes Kind zu retten."

Konflikte in der Familie

Der Vater (Michael Fitz) ruht hingegen fest in seiner konservativ katholischen Gläubigkeit. Der Konflikt beginnt. Und andere kommen hinzu: Die Kosten der nur im Ausland möglichen PID wäre der endgültige materielle Ruin, die Geschwister melden sich zu Wort: "Immer dreht sich alles nur um dich, Anna!" Und Amelie Kiefer findet an diesem Film gut, "dass es nicht nur um die Krebs-Thematik geht. Auch andere Konflikte, die durch den Krebsfall aufkommen und uns alle etwas angehen, werden behandelt." Nicht zuletzt, wie ein Kranker keineswegs nur rührend und Mitleid erregend, sondern auch biestig und böse werden kann. Kiefer: "Ich habe ganz bewusst keine sich selbst bemitleidende Kranke dargestellt." Sie war als Anna auch mal kräftig unsympathisch - und hatte Spaß daran.

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