Ärzte Zeitung, 09.04.2009

Die Ohrfeige für Paulchen hat ausgedient

Nervende Kinder, gestresste Eltern: Das öffentliche Bild von der Familie ist alles andere als gut. Eine aktuelle Umfrage kommt zu einem anderen Ergebnis. Von Familienkrise kann danach keine Rede sein.

Von Thomas Hommel

Gemeinsam kochen, essen, reden: Qualitätsmerkmale eines intakten Familienlebens.

Foto: Forum Familie stark machen

BERLIN. Die Situation in vielen Familien entspreche nicht dem oftmals in düsteren Farben gemalten öffentlichen Bild, sagte Professor Hubertus Brantzen, Vorsitzender des Forums "Familie stark machen" anlässlich der Präsentation des Generationen-Barometers 2009 - eine repräsentative Befragung von 2222 Bundesbürgern, die das Allensbach-Institut im Auftrag des Forums erstellt hat.

Natürlich werde in den Familien auch gestritten, so Brantzen. "Aber das bestimmt in der Regel nicht das meist gute Klima." Die Familienmitglieder würden viel Zeit miteinander verbringen, schätzten die gemeinsamen Mahlzeiten und tauschten sich aus, listete der Experte Pluspunkte des heutigen Familienlebens auf.

Auch um die Eltern-Kind-Beziehung ist es laut Studie besser gestellt als angenommen. "Kinder erfahren weitaus mehr Zuwendung und Förderung als früher, werden stärker als eigenständige Persönlichkeiten respektiert und haben deutlich größere Freiheitsspielräume als die Generation ihrer Eltern und Großeltern", erläuterte Allensbach-Geschäftsführerin Professor Renate Köcher. Die Art der Erziehung habe sich ebenfalls geändert. Autoritäre Erziehungsstile und körperliche Strafen machten immer mehr einem Erziehungsstil Platz, der auf Diskussion, Überzeugung und Kompromisssuche ausgerichtet sei. Während jeder zweite 60-Jährige und Ältere noch mit Ohrfeigen bestraft wurde, sei dies bei den Unter-30-Jährigen nur bei 23 Prozent der Fall, führte Köcher aus.

Eltern investieren heute auch sehr viel mehr Zeit in ihre Kinder. Während von den 60-Jährigen und Älteren 38 Prozent finden, ihre Mutter habe genügend Zeit für sie gehabt, ist dies bei 63 Prozent der Unter-30-Jährigen der Fall. Die Befragung zeige denn auch, so Köcher, dass die Zeit, die die Familienmitglieder füreinander haben, "die Qualität des Familienlebens wesentlich beeinflusst".

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