Ärzte Zeitung, 23.04.2009

Barfuß zur Schule: Engagement gegen Armut

Schon mit vier Jahren warb er Spenden ein, mit zwölf hält er Vorträge und geht jetzt barfuß zur Schule: Bilaal Rajan aus Kanada engagiert sich für Kinder in Not.

Von Nada Weigelt

Barfuß zur Schule: Für eine Woche verzichtet Bilaal auf Schuhe.

Fotos: dpa

NEW YORK/TORONTO. In Kanada ist es immer noch fast winterlich kalt, es regnet und stürmt. Trotzdem geht der zwölfjährige Bilaal Rajan zurzeit barfuß in die Schule - nicht, um gegen die Kleiderordnung in seiner traditionsreichen Privatschule zu protestieren, sondern um die Not von Kindern in aller Welt anzuprangern.

"Ich möchte die Aufmerksamkeit dafür wecken, dass Kinder in anderen Teilen der Welt noch nicht einmal so einfache Dinge haben wie Schuhe", sagt Bilaal in einem Telefongespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in New York. "Wenn sie ihr ganzes Leben barfuß gehen müssen - warum sollen wir es nicht für eine Woche können?"

Der kleine Kerl mit den braunen Knopfaugen setzt sich seit seinem vierten Lebensjahr für Kinder in Not ein. "Ich habe einfach damit angefangen, Mandarinen in der Nachbarschaft zu verkaufen, und so 350 Dollar für Erdbebenopfer in Indien gesammelt", erinnert er sich. "Das war für mich damals ein Vermögen."

2005 wurde Bilaal, der aus einer indisch-afrikanischen Familie stammt, zum Sonderbotschafter des Kinderhilfswerks UNICEF in Kanada berufen. Inzwischen hat er durch zahlreiche Aktionen fast fünf Millionen Dollar - gut drei Millionen Euro - Spenden geworben. Er fährt in Katastrophengebiete und Elendsregionen, engagierte sich für Aids-Opfer in Tansania und half beim Aufbau einer Schule in Ecuador.

In seiner Privatschule wird der Zwölfjährige Bilaal auch von Mitschülern und Lehrern unterstützt.

Derzeit sucht Bilaal Mitstreiter. Mit seinem kürzlich erschienenen Buch "Making Change" (etwa: Die Wende einläuten) reist er quer durch Kanada und hält Vorträge. "Mein größtes Ziel ist, innerhalb von drei Jahren eine Million junge Menschen dazu zu bringen, sich in ihren Gemeinden zu engagieren", sagt er.

Für seine Barfuß-Aktion hat er gemeinsam mit Freunden über Facebook, Twitter und "Kettenbriefe" im Internet die Werbetrommel gerührt. Junge Leute in Kanada und den USA, aber auch in mehreren afrikanischen Ländern sowie in Frankreich, Belgien, Holland und der Schweiz schlossen sich an, wie er sagt. Im Rahmen der Internationalen Woche des Ehrenamts wollen viele bis zum Sonntag auf Schuhe verzichten.

Auch Bilaals Gymnasium, das renommierte St. Andrew College in der Nähe von Toronto, macht mit. "Alle gehen im Unterricht barfuß, sogar die Lehrer", erzählt der Einserschüler stolz, der seit jeher von seiner Schule bei seinen Aktionen unterstützt wird. Auch die Eltern, Unternehmer in Toronto, stünden hinter ihm. "Sie sind nicht mit allem einverstanden, was ich mache, aber sie halten mich nie von etwas ab. Sie wissen, dass diese Arbeit meine Leidenschaft ist."

Wenn er so redet, druckreife Sätze in geschliffenem Englisch, klingt Bilaal wie ein Profi, der seit Jahrzehnten nichts anderes macht als Menschen zu überzeugen. "Dabei bin ich einfach ein zwölfjähriger Junge", versichert er. "Ich hänge gern mit meinen Freunden rum, lese, spiele Tennis und fahre Ski. Nur: Ich engagiere mich." (dpa)

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