Ärzte Zeitung, 15.05.2009

Stalker-Beratungsstelle hilft Tätern und schützt Opfer

Ein Projekt für Stalker in Berlin will ihnen helfen, andere Menschen nicht mehr zu belästigen.

BERLIN (dpa). Zuerst verfolgte der verliebte Handwerker die Sekretärin jeden Tag mit anonymen Anrufen, später belästigte er die Frau mit obszönen Mails. Der Berliner wurde angezeigt und verlor die Arbeit. Der Mann fand den Weg in die Berliner Beratungsstelle für Stalker. Die bundesweit einmalige Einrichtung ihrer Art wurde vor einem Jahr gegründet und hat Mitte der Woche ihre erste Bilanz vorgelegt. 86 Stalker wurden über Wochen oder Monate in persönlichen Gesprächen beraten, um Auswege zu finden, berichtete der Leiter von "Stopp- Stalking", Wolf Ortiz-Müller. Rund 530 Kontakte zu Stalkern per Telefon oder E-Mail wurden registriert. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) lobte das Projekt als aktiven Opferschutz. Der aus dem Englischen kommende Begriff Stalking bedeutet Anschleichen. Stalker sind Menschen, die von allein nicht aufhören können, andere zu belästigen. Das kann soweit gehen, dass sich das Opfer irgendwann nicht mehr aus der Wohnung traut.

Stalker kommen aus jeder Schicht.

Die Menschen, die anderen nachstellen, kommen aus allen Bereichen der Gesellschaft. "Es geht durch alle Schichten - Familienväter, Arbeitslose, Wohlsituierte", sagt Psychologe Ortiz-Müller. Auch Prominente wie Steffi Graf, Till Schweiger oder Madonna werden Opfer von Stalkern. Von 1500 Stalkern in Berlin seien 23 Prozent Ausländer. Hinzu komme ein fast genauso hoher Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund, sagt der Psychologe.

In die Berliner Beratungsstelle kamen zu 75 bis 80 Prozent Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren. Etwa die Hälfte habe sich selbst gemeldet, andere erhielten die Beratung als Bewährungsauflage oder seien von der Polizei geschickt worden. Stalking kann in Deutschland seit März 2007 mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden.

Das Projekt gehört zum Trägerverein Krisen- und Beratungsdienst. Der Verein bekommt Mittel aus Bußgeldern und ist auf Spenden angewiesen. Derzeit werde mit dem Senat über eine Finanzierung verhandelt - die Wunschsumme sind 200 000 Euro jährlich.

www.stop-stalking-berlin.de

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