Ärzte Zeitung, 25.06.2009

Primar oder Chefarzt oder was?

Genauer betrachtet unterscheiden sich deutsche und österreichische Ärzte nur geringfügig voneinander. Weiß bekleidet, vorne Stethoskop, hinten krummer Kassen-Buckel. Eine grenzüberschreitende Leidensgemeinschaft.

Von Ronny Teutscher

Deutsche Häppchen, österreichische Häppchen: Guten Appetit!

Foto: ill

Ich möchte an dieser Stelle auch die zugeschalteten deutschen Kollegen in dieser Kolumne begrüßen. Seit geraumer Zeit erfreue ich die Österreichischen Mediziner in der "Ärzte Woche" mit wohlfeil erdachten Bonmots über Ärzte und andere Krankheiten. Nun gilt es zu überdenken, ob denn die Situation der Krankenanstalten, des Gesundheitswesens, der Kommunikation zwischen Arzt und Patient oder auch die Qualität des Spitalsfutters von Österreich auf Deutschland umzulegen ist.

Zuvor jedoch, aus einem Anflug an Höflichkeit heraus, eine kurze Vorstellung. Ich selbst bin seit über zehn Jahren Arzt für Allgemeinmedizin, seit über zehn Jahren Kabarettist und seit über zehn Jahren versuche ich herauszufinden, ob es zwischen diesen beiden Disziplinen vielleicht einen Unterschied gibt; und wenn ja, ob dieser Unterschied medikamentös auch zu behandeln ist. Mein Heimatland ist Österreich, jenes Land im Süden, mit den hohen Bergen, den noch höheren Niederlagen im internationalen Fußball und den nicht mehr ganz so anonymen Konten.

Zwei Nationen, getrennt durch dieselbe Sprache, vereint jedoch durch denselben Leidensweg von Ärzten und deren Patienten. Sie haben eine gemeinsame Ebene der Kommunikation gefunden: Ärzte sprechen Latein, Patienten verstehen Latein. Weltweit. So ist in Österreich der "Primar" der hoch angesehene und sonnengottähnliche Abteilungsvorstand, in Deutschland hingegen wird man mit der Verwendung dieses Begriffs im Medizinbetrieb mit ziemlicher Sicherheit Konfusion anrichten. Das Alphatierchen unter den Klinikern wird dort "Chefarzt" genannt.

Deutsch oder österreichisch: Leber bleibt Leber!

In der Alpenrepublik versteht man darunter allerdings einen leitenden Bürohengst, der mittels Ferndiagnose Patienten auf ihre Pflegebedürftigkeit prüft. Und der in Deutschland mittlerweile abgeschaffte "AiP" ist jenseits der Grenze höchstens mit "allgemein-internistischer Problempatient" zu übersetzen. Anatomisch unterscheiden wir uns nur geringfügig voneinander. Eine deutsche Leber ist einer österreichischen nicht unähnlich. Die eine mag mit Bier, die andere mit Wein getränkt sein, doch eine Leber bleibt sie allemal. Und die inneren Werte wie Cholesterin oder Harnsäure erreichen im gesamten deutschsprachigen Raum stattliche Höhen.

Ein ärztliches Burn-out gibt es hüben wie drüben, Anerkennung werden wir vergeblich suchen, es sei denn, eine Fernsehstation nimmt sich unserer an und sendet "Deutschland sucht den Super-Doc" (DSDSD). Die Unterschiede zwischen den Nachbarländern sind also überwindbar. Alle Menschen sind gleich. Ärzte vielleicht etwas gleicher.

Dr. Ronny Teutscher

Er ist Arzt und ein in Österreich bekannter Kabarettist, der den Irrgarten Gesundheitswesen auf die Schippe nimmt: Dr. Ronny Teutscher hat bei seinen grenz- überschreitenden Touren eine Kernerfahrung gemacht: Die Deutschen lachen an den gleichen Stellen wie die Österreicher! Zweimal im Monat wird er in Zukunft in einer Kolumne der "Ärzte Zeitung" "NebenWirkungen" des Medizinbetriebs analysieren.

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