Ärzte Zeitung, 26.06.2009

Michael Jackson: Mit Kälte wurde seine Haut gebleicht

Der "King of Pop" ist tot. Für sein Bild eines Idealgesichts hat Michael Jackson Operationen und Hautbleichungen auf die Spitze getrieben - bis er es oft nur noch verhüllt zeigen wollte. Michael Jackson hat chirurgische und dermatologische Möglichkeiten so lange missbraucht, bis seine Nase verunstaltet und seine Haut derart pigmentfrei war, dass sie keinen Lichtschutz mehr gewährte.

Immer wieder Operationen: Michael Jackson 1973,1983 (oben, v.l.),1996, 2002 (unten, v.l.)
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Fotos: dpa (1). Imago (3)

Von Angela Speth

Michael Jackson wollte westliche Schönheitsnormen erfüllen, sich als Hellhäutiger mit europäischen Gesichtszügen präsentieren. Für diese Vorstellung hat er chirurgische und dermatologische Möglichkeiten so lange gebraucht, missbraucht, bis seine Nase verunstaltet und seine Haut derart pigmentfrei war, dass sie keinen Lichtschutz mehr gewährte. Das Gesicht hinter Tüchern und Atemmasken halb verborgen - so hat er sich kurz vor seinem Tod oft nur noch an die Öffentlichkeit gewagt.

Die medizinische Macht erschien ihm unbegrenzt

Der Musikstar sei aufgestiegen in Sphären, wo ihm alles zu Füßen zu liegen schien, auch die Medizin und die Ärzte, sagt Dr. Gerhard Sattler, Leiter der Rosenpark-Klinik in Darmstadt: "Diesen suggestiven Verheißungen ist er unterlegen." Da er offenbar seine Hautfarbe ebenso ablehnte wie seine ethnisch bedingte Nasenform, unterzog er sich nicht nur mehr als 50 Schönheitsoperationen, sondern auch oft wiederholten Bleichungen. Für Aufhellungen der Haut kommen drei Verfahren in Frage: Auftragen eines auch in Deutschland zugelassenen Hydrochinon-haltigen Mittels, Kryotherapie und chemisches Peeling. "Nach dem Hautbild zu urteilen, bin ich der Überzeugung, dass bei Michael Jackson ein flächenhaftes Kryopeeling gemacht worden ist", sagt Sattler und fügt hinzu: "Er hat wohl gedacht: Das ist der Anzug, den ich mir anziehen will." Normalerweise geschehe die Vereisung aber nur punktuell bei Pigmentflecken. Die häufigen ausgedehnten Anwendungen mindestens an den Händen und im Gesicht hätten die Haut geschädigt, zudem durch die Zerstörung des Melanins sonnenempfindlich und anfällig für Hautkrebs gemacht. Die Behandlung hält Sattler auch deshalb für gescheitert, weil die Haut schlecht aussieht: von Äderchen durchzogen, dünn, vernarbt, pergamentartig, ungepflegt. Die immer wieder lancierte Meldung, der Aufhellung liege eine Vitiligo zugrunde, weist er zurück: Denn diese Flecken sehen aus wie ausgestanzt, eine diffuse Aufhellung gerade im Gesicht ist extrem unwahrscheinlich.

Die Hautbleichung hat ihn seiner Herkunft entfremdet

Ärzte hätten unter Missachtung von Grundsätzen ihres Berufs Dinge bei einem Menschen getan, der eher eine psychologische Betreuung gebraucht hätte, kritisiert Sattler. "Das Bleichen der Haut rührt an die Wurzeln der ethnischen Herkunft." Allerdings müsse man bedenken: Michael Jackson ist aufgewachsen in einer Zeit, als die Diskriminierung von Schwarzen noch durchaus Realität war. Trotzdem habe man noch die Bilder von dem fröhlich auf der Bühne herumhüpfenden Jungen vor Augen - und im Kontrast dazu die heutige Erscheinung. Sattler: "Sein Leben konnte sich nicht zur Blüte entfalten, sondern der Bogen hat sich zum Untergang geneigt."

Könnten die häufigen Bleichungen zum Tod durch Herzstillstand beigetragen haben? Nicht direkt, sagt Sattler, aber indirekt dadurch, dass sie Mosaiksteine seien zu einem Lebensstil, der den Körper ruiniert hat.

Kryopeeling vereist eigentlich Hautmale

Temperaturen bis -190° Celsius werden meist gegen Altersflecken angewandt. Drei Bleichverfahren sind üblich.

  • Auftragen eines Externums, das Hydrochinon enthält: Es vertreibt die Melanozyten aus der Basalzellschicht. Damit ist allenfalls ein leichtes Aufhellen möglich. Stärkere Effekte lassen sich nur durch tägliche Anwendung über ein bis zwei Jahre erreichen. Indikationen sind etwa: Farbdifferenz zwischen rechter und linker Hand durch unterschiedliche Sonnenexposition oder Hyperpigmentierungen. Diese Chloasma oder Melasma entstehen durch Hormone (bei Schwangerschaft oder Tumoren), Medikamente (Antibabypille, Antiepileptika) oder Kosmetika. So können sich bei dunkelhäutigen Menschen intensive Augenringe bilden. Oder ätherische Öle aus Parfüms brennen sich durch die Sonne regelrecht in die Haut ein.
  • Kryopeeling: Eine in flüssige Luft oder ein anderes Kältemittel getauchte Sonde wird auf die Haut gedrückt. Da die Melanozyten kälteempfindlicher sind als die übrigen Hautzellen, sterben sie ab, ohne dass umgebendes Epithel geschädigt wird. Das seit rund 100 Jahren bekannte, einfache Verfahren wird vor allem gegen Altersflecken genutzt, aber auch gegen Keratosen, Keloide, Leberflecken oder Warzen. Komplikationen sind Narben, unregelmäßige helle oder dunkle Verfärbungen und Gewebstod.
  • Chemisches Peeling: Die sanfte Variante mit Fruchtsäure löst nur die oberste Hornzellschicht ab, die aggressivere Verätzung mit Trichloressigsäure (TCA) auch Leder- und Unterhaut. Zum TCA-Peeling gehören Virustatika und Antibiotika, um einer Infektion vorzubeugen. Die Behandlung kann in Abständen wiederholt werden. Die Haut wächst straffer und fester nach, Pigmentflecken sind beseitigt, Aknenarben abgeflacht. Komplikationen: Infekte, Schmerzen, Rötungen und Schwellungen. (ars)

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