Ärzte Zeitung, 10.07.2009

Ein Zentrum für Musiker mit medizinischen Problemen

Einrichtung in Sommerfeld bei Berlin ist spezialisiert auf Beschwerden im Bewegungssystem

BERLIN (af). Die Sana-Kliniken in Sommerfeld bei Berlin haben ihre Kompetenzen in der Behandlung von Musikern im neuen Institut für Musikermedizin Berlin-Brandenburg gebündelt.

"Es ist deutschlandweit das erste Zentrum für Musikermedizin, das auf das Bewegungssystem spezialisiert ist", sagte Institutsleiterin Anke Steinmetz.

Die Einrichtung bietet den mehr als 6000 Berufsmusikern und geschätzten 23 000 Laienmusikern zusätzlich eine ambulante Sprechstunde im Haus der Gesundheit am Berliner Alexanderplatz an.

In Deutschland gibt es zehn musikermedizinische Zentren. Anlaufstellen sind auch niedergelassene Ärzte, die von sich aus ein Interesse für dieses Feld entwickelt haben. Ansonsten seien die besonderen Beschwerden von Musikern unter den Allgemeinärzten eher wenig bekannt, sagte Wolfram Seidel, der Chefarzt der Sana-Kliniken in Sommerfeld.

Klassische Musiker haben häufig Haltungsschäden.

Zu den instrumentenspezifischen Beschwerden gehören unter anderem Kiefergelenks-Dysfunktionen bei Violinisten, Zahnwanderungen und Nervendruckschädigungen durch Mundstücke bei Bläsern sowie die Überlastung der Halswirbelsäule durch Violine, Querflöte, Saxofon und Fagott. Klassische Musiker sind in der Regel häufiger von Haltungsschäden und Funktionsstörungen betroffen als Jazz- und Popmusiker. Woran dies liegt, ist noch unerforscht.

Auch wenn Musiker sich gesünder fühlen als der Durchschnitt der Bevölkerung, klagen sie doch häufiger über Schmerzen als andere. Umfragen in den USA und Deutschland haben ergeben, dass mehr als 80 Prozent der Berufsmusiker Beschwerden im Bewegungssystem haben. Ärzte könnten die tatsächlichen Schädigungen und ihr Ausmaß nur dann richtig erkennen, wenn der Patient sein Instrument mit in die Sprechstunde bringe und vorspiele, sagte Anke Steinmetz, die nicht nur Ärztin, sondern auch Diplom-Violinistin ist und mehrmals im Jahr Konzerte gibt. Auch bei der Therapie und der anschließenden Rehabilitation sollte das Instrument stets einbezogen bleiben.

Um die musikermedizinische Versorgung zu verbessern, will das neue Institut auch forschen. Ziel sind neue Therapieangebote für Musiker und effektive Präventionsmaßnahmen.

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