Ärzte Zeitung, 20.07.2009

Helfende Ärzte inmitten von Gewalt und Leid

Ein Abenteuerurlaub ist es nicht. Wo "Ärzte ohne Grenzen" helfen, da herrschen meist Krieg und Vertreibung. 2008 war die Organisation in 60 Ländern im Einsatz.

Von Thomas Hommel

Humanitäre medizinische Hilfe - hier im medizinischen Zentrum der Stadt Mardan in Pakistan.

Foto: Marta Ramoneda

BERLIN. Im vergangenen Jahr seien über die deutsche Sektion von "Ärzte ohne Grenzen" 237 Ärzte, Pfleger, Logistiker sowie Hebammen in mehr als 60 Einsatzgebiete rund um den Globus gereist - darunter Länder wie Äthiopien, die Republik Kongo oder Pakistan, teilte der Vorstandsvorsitzende der Organisation, Dr. Tankred Stöbe, am Freitag in Berlin mit.

An Einnahmen seien 2008 insgesamt 44,1 Millionen Euro geflossen - der Großteil stammte aus privaten Spenden. 35,5 Millionen Euro stellten "Ärzte ohne Grenzen" für medizinische Hilfsprojekte bereit.

Pakistan gehörte dabei zu den zehn Ländern, die die größte finanzielle Unterstützung erhielten. Der Geschäftsführer von "Ärzte ohne Grenzen", Dr. Frank Dörner, nannte das Ausmaß der Krise in Pakistan "erschreckend". Die Lage der knapp zwei Millionen Vertriebenen, von denen 1,7 Millionen Menschen weit verstreut bei Gastfamilien, in Schulen und öffentlichen Einrichtungen untergekommen sind, sei besorgniserregend.

"Die brisante Sicherheitslage erlaubt es unseren Mitarbeitern nicht, sich frei zu bewegen und damit alle Menschen zu erreichen." Dennoch stelle die Organisation in der nordwestlichen Grenzprovinz Pakistans die Basisgesundheitsversorgung sicher und verteile Zelte, Kochutensilien und Hygieneboxen an Bedürftige. Zudem sorge man für Zugang zu sauberem Wasser.

Als "äußerst schwierig" bezeichneten die beiden Vertreter von "Ärzte ohne Grenzen" auch die Arbeitsbedingungen in der sudanesischen Krisenregion Darfur. Nach dem Haftbefehl gegen Präsident Omar al-Bashir durch den Internationalen Strafgerichtshof Anfang März seien 13 Hilfsorganisationen aus Darfur ausgewiesen worden, darunter die holländische und französische Sektion. "Infolge der Ausweisung mussten wir unsere Projekte in Süddarfur schließen", so Stöbe. In Nord- und Westdarfur sei man aber weiterhin tätig.

Ein Abenteuerurlaub sei die Mitarbeit bei "Ärzte ohne Grenzen" nicht, betonte ihr Geschäftsführer Dörner. "Die Anforderungen sind hoch." Man verlange ein abgeschlossenes Medizinstudium, Berufserfahrung und Interesse an anderen Kulturen. "Wenn jemand Reiseerfahrungen mitbringt oder im Ausland hospitiert hat, dann ist er bei uns richtig." Für einen Ersteinsatz müssten sich Ärzte sechs bis neun Monate Zeit nehmen.

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