Ärzte Zeitung, 31.07.2009

Spuren der Evolution - in Darwins Garten

2009 ist Charles-Darwin-Jahr. In mehreren Botanischen Gärten in Deutschland läuft derzeit eine Ausstellung über den Begründer der Evolutionstheorie, der auch ein bedeutender Botaniker war. Titel der Schau: "Darwins Garten - Evolution entdecken".

Von Ursula Armstrong

Spuren der Evolution - in Darwins Garten

Kohlgemüse-Beet im Botanischen Garten der Uni Mainz: Charles Darwin hat einst an Kohlpflanzen die Variabilität der Arten untersucht. Fotos (3): Armstrong

Weißkohl, Rotkohl, Blumenkohl: Nur Gemüsekohl wächst in einem Beet im Botanischen Garten der Uni Mainz - zu Ehren von Charles Darwin, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird und dessen Hauptwerk "Über die Entstehung der Arten" vor 150 Jahren erschienen ist. Denn Darwin hat in seinem eigenen Garten an verschiedenen Kohlpflanzen Untersuchungen zur Variabilität der Arten gemacht und daraus Schlüsse für die Entstehung neuer Arten gezogen. Charles Darwin (1809 bis 1882) war nämlich nicht nur der Begründer der Evolutionstheorie, sondern auch ein bedeutender Botaniker.

Ausstellung wurde in Mainz und Darmstadt konzipiert

Spuren der Evolution - in Darwins Garten

Spannende Entdeckungstour auf den Spuren von Charles Darwin - Botanische Gärten in Deutschland und Wien laden ein.

"Darwins Garten - Evolution entdecken" ist das Thema einer Ausstellung, die zurzeit in vielen Botanischen Gärten in Deutschland und auch in Wien läuft. Konzipiert wurde sie in Mainz und Darmstadt. "Wir sind einer der Referenzgärten", sagt Dr. Ralf Omlor, der Kustos des Botanischen Gartens in Mainz. Hier ist die Darwin-Ausstellung mit ihren 16 Stationen in einen Rundgang durch den gesamten weitläufigen Garten integriert.

An anderen Orten werden die Schautafeln in Gebäuden gezeigt, teilweise mit Exponaten ergänzt. "Das ist sehr unterschiedlich. Wenn es irgendwie geht, versucht man, einen direkten Bezug mit Pflanzen aus dem Garten zu den einzelnen Themen herzustellen." Deshalb ist in Mainz das Kohlgemüse-Beet angelegt worden.

Der Begründer der Evolutionstheorie war zwar kein ausgebildeter Botaniker, hatte sich aber mit Leib und Seele der Forschung an Pflanzen verschrieben. "Darwins botanische Forschung steht in engem Zusammenhang mit seiner Vorstellung von der Evolution der Arten und sollte seine Theorie untermauern", erklärt Omlor. "Wir wollen mit dieser Ausstellung zeigen, dass grundlegende Prozesse der Evolution sehr leicht an Pflanzen entdeckt werden können."

So hat Darwin aufgedeckt, wie Pflanzen es vermeiden, dass sie sich selbst bestäuben, nämlich durch die Heterostylie, die Verschiedengriffeligkeit. Er erkannte, dass es bei Primeln Formen mit langen und andere mit kurzen Griffeln gibt. Darwin wies nach, dass nur eine Bestäubung zwischen beiden Formen zu einem Samenansatz führt, und stellte dies ganz richtig in den Zusammenhang mit der Sicherung der Fremdbestäubung. Sogar den komplexen Fall des Blutweiderich (Lythrum salicaria), bei dem es sogar drei unterschiedliche Blütenformen gibt, konnte er in diesem Sinne klären. Auch beim Blutweiderich sichert das die Fremdbestäubung und damit die Durchmischung des Erbgutes, wie man heute sagen würde. Die Schautafel 9, auf der diese Zusammenhänge erklärt werden, steht denn auch mitten in einem Beet mit Blutweiderich.

Auf diese Entdeckung war Darwin übrigens sehr stolz: "Dass ich aufklären konnte, welche Bedeutung die Heterostylie von Pflanzen hat, macht mir so viel Freude wie keine meiner kleinen Entdeckungen sonst", wird der Forscher auf der Schautafel zitiert. Solche Bemerkungen machen den Menschen Darwin greifbar.

Fleischstückchen für den Sonnentau

Auch sonst wird der viktorianische Naturforscher in der Ausstellung immer wieder richtig lebendig. So sieht man ihn direkt vor sich, wie er nachts den Schlaf von Pflanzen dokumentierte oder wie er dem fleischfressenden Sonnentau (Drosera) Käse- und Fleischstückchen fütterte und dann fasziniert zuschaute, wie das Futter von bestimmten Drüsen auf den Blättern verdaut wurde. Durch seine Experimente entdeckte Darwin, dass der Sonnentau und andere karnivore Pflanzen nur durch die Nährstoffe aus den verdauten Insekten an seinen extrem nährstoffarmen Standorten überleben können.

Spuren der Evolution - in Darwins Garten

Kap Sonnentau (Drosera capensis) - entdeckt in Darwins Garten.

Etwa zwei Stunden dauert der Rundgang auf den Spuren von Charles Darwin durch den Mainzer Botanischen Garten - ein Ausflug, der sich lohnt.

Die Ausstellung "Darwins Garten - Evolution entdecken" im Botanischen Garten der Universität Mainz läuft noch bis zum 31. Oktober. Der Eintritt ist frei. Führungen gibt es am 2. August und am 6. September, jeweils um 11 Uhr. Infos im Internet: http://www.botgarten.uni-mainz.de/Veranstaltungen/Ausstellungen/darwin.html

Wie lange die Ausstellung in anderen Botanischen Gärten läuft, ist unterschiedlich. Infos im Internet: http://www.darwins-garten.de/

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